Puppen sind nicht immer die Lösung. Sie können auch zum Problem werden, das an einem Opernabend mehr Irritationen hervorruft als interessante Subtexte oder Metaebenen aufzutun. Der zuletzt nicht nur in Wien höchst erfolgreiche Puppenbauer und Regisseur Nikolaus Habjan setzt auch bei seiner "Salome"-Inszenierung im Theater an der Wien auf Figurentheater: Der aktuelle Director in Residence des Hauses stellt den beiden zentralen Figuren Salome und Jochanaan Puppen zur Seite.

Was vor allem dem verbal polternden und in der Zisterne abgemagerten gefangenen Propheten Jochanaan optische Authentizität gibt – er kann hier ganz die beschriebene hagere Gestalt mit wächserner Haut sein – und im Falle der Prinzessin ihren verführerischen Liebreiz mit klischeehaft roten Locken unterstreicht, erklärt sich in weiterer Folge jedoch nicht. Welche Geschichte Habjan mit den beiden Puppen erzählen will, bleibt vage. Sind es die Seelen der beiden Protagonisten oder doch nur ihre äußere Hülle? Sind die Menschen hinter ihnen gar ihre Unschuld?

Auch der Schleiertanz, mit dem die vom heiligen Mann angezogene, aber von diesem brüsk zurückgestoßene Prinzessin Salome ihren Stiefvater dazu bringt, ihr den Kopf des Jochanaan in einer Silberschüssel zu servieren, hinterlässt mehr Fragen als Antworten.

Zur szenischen Unauffälligkeit verdammt

Den Sängern jedenfalls, die die Puppen selbst führen, erleichtert es ihre Rollengestaltung keineswegs. Johan Reuter als Jochanaan ist als vollkommen graue Schattengestalt zu etwas ratloser Unauffälligkeit verdammt und kann seiner Partie szenisch kaum Kontur verleihen. Marlis Petersen entfaltet erst nach dem vermeintlichen Tod des Puppen-Egos ihre darstellerische Kraft. Jenseits der die zwei zentralen Persönlichkeiten spaltenden Puppen ist Habjans Inszenierung die optisch ansprechende und zeitlos moderne Bebilderung der Handlung. Wahrlich hübsch anzusehen, aber ohne weitere inhaltliche Vision.

Die graue Einheitsbühne (von Julius Theodor Semmelmann) mit Stufen ist von roten Blütenblättern übersät, Herodes und sein Hofstaat sind mit Insignien der Dekadenz ausstaffiert (Kostüm: Cedric Mpaka), in einer Ecke liegt ein toter weißer Pfau. Dem Mysterium des Stoffes um diese höchst begehrte und selbst blutrünstig begehrende Frau auf die Spur zu kommen, das versucht diese Inszenierung nur mit Düsternis und jeder Menge Kunstblut. Das Drama um die archaische Macht der Verweigerung, es entfaltet seine Wucht in den ansprechenden Bildern szenisch kaum.