Die Oper "Salome" machte Richard Strauss mit einem Schlag zum führenden Musikdramatiker. Seine künstlerische Individualität, diesen unverkennbaren Personalstil hatte der Komponist weitergeführt, den feinen Farbensinn für Instrumentation noch perfektioniert. Die Partitur funkelt und fesselt facettenreicher als alle Edelsteine, die Herodes Salome anstelle von Jochanaans Kopf versucht anzubieten. Am Montagabend schlug die meisterhafte Musik enorm wuchtig und intensiv zu. Dennis Russell Davies und das wunderbare Orchester der Wiener Staatsoper verpassten dem Publikum eine emotionale Rosskur im besten Sinn.

Für das Dirigat waren im Vorfeld drei Anläufe notwendig gewesen. Der angekündigte Mikko Franck musste krankheitsbedingt absagen, ebenso fiel Ersatzmann Michael Boder kurzfristig aus. Davies ließ sehr groß aufspielen und befeuerte alle. Von den Mitwirkenden auf der Bühne wird Michael Volles Darstellung des Jochanaan im Gedächtnis bleiben. Der deutsche Bariton sang erstmals an der Staatsoper den eingekerkerten Propheten und überzeugte mit jedem Ton, jedem bis ins Mark erschütternden Wort und jeder Geste. Schon sein Auftauchen, jenes beschwerliche Klettern aus der Zisterne, kündigte eine großartige Rollengestaltung an. Er fällt der Sinnlichkeit von Lise Lindstrom zum Opfer. Die Amerikanerin ist eine Salome mit feiner Mischung aus Dramatik und Lyrik, Schärfe und Ausdauer. Akkurat der Herodes des Herwig Pecoraro, etwas zu zurückhaltend die Herodias der Waltraud Meier. Zeitlos schillernd Jürgen Roses Ausstattung, auch bei der 242. Aufführung.