Wenn Vitus Wieser und David Stockenreitner gemeinsam auf der Bühne stehen, schenken die beiden einander nichts. Der eine, mit lockigem Haar, wird wegen seiner (realen) körperlichen Behinderung aufgezogen; der andere, ein Spitzensportler gefangen in einem Durchschnittskörper mit Kahlkopf, bekommt prompt die Retourkutsche. Wieser und Stockenreitner ziehen einander gegenseitig auf, führen aber auch miteinander Schmäh. Stockenreitner legt sofort den Finger auf jede Wunde und kontert etwa mit Wiesers gescheiterter Beziehung, wenn dieser behauptet, sein Kompagnon hätte eine komplett andere Sicht auf die Welt, da er vorwiegend darauf achten müsse, wie er ohne Hinfallen von A nach B gelange.

Aber auch wenn es zunächst den Aschein hat: Das Programm arbeitet sich nicht an Stockenreitners Behinderung ab. "Na, wir machen da Kabarett und keine 'Licht ins Dunkel'-Gala", stellt er selbst klar. Und so begeben sich die beiden denn auch auf Tuchfühlung mit dem Genre Kabarett an sich - und strahlen dabei eine unaufgeregt entspannte Ruhe aus, dem dem Abend guttut. Mit dieser etwas zurückgelehnten Ruhe beackert das Duo reichlich Themen, nur um die Politik machen die zwei eher einen Bogen oder zumindest stapfen sie nicht mittendurch. Dafür amüsiert Stockenreitner etwa sein Publikum mit in die Jahre gekommenen Rollstühlen an einem Berliner Flughafen. Dabei dürfte er gerne noch ausführlicher werden. Denn was auf den ersten Blick recht banal wirkt, ist in Wahrheit ein spannender gesellschaftlicher Aspekt, der durchaus Aufmerksamkeit verdient. Mit dem Elektroauto geht es dann durch die Wiener Mariahilfer Straße, vorbei an Sex-Shops in Richtung Zukunft, wo gegen Ende die alles entscheidenden Frage wartet: "Ist das Kabarett tot?" Nun, bei Wieser und Stockenreitner ist es quicklebendig, abwechslungsreich, kurzweilig und vielfältig.