Wien. Die ehemalige Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky, ist am Montagabend am Wiener Landesgericht wegen Untreue und Veruntreuung zu einer zweijährigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem wurde der 64-Jährigen Schadensgutmachung gerichtlich aufgetragen. Stantejsky hat dem Burgtheater binnen 14 Tagen 319.156,10 Euro zu bezahlen.

Mit den darüber hinausgehenden Forderungen wurde das Burgtheater auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Vom Vorwurf der Bilanzfälschung wurde Stantejsky mangels subjektiver Tatseite freigesprochen. Die Gerichtsentscheidung ist nicht rechtskräftig. Stantejsky nahm das Urteil an, Oberstaatsanwältin Veronika Standfest gab vorerst keine Erklärung ab.

Auch Honorare angeeignet

Der Schöffensenat (Vorsitz: Christoph Zonsics-Kral) erachtete es als erwiesen an, dass Stantejsky wiederholt wissentlich ihre Befugnisse missbrauchte, indem sie sich zur Finanzierung privater Aufwendungen ansehnliche Beträge ausbezahlen ließ, wobei sie vorgab, diese dem künstlerischen Betriebsrat, der Requisite am Akademietheater oder der Kostümabteilung weiterzuleiten bzw. als Aufwandsentschädigung für Mitarbeiter zu verwenden. Sie eignete sich dem Urteil zufolge zwischen 2011 und 2014 auch Honorare des an der Burg regelmäßig als Gastregisseur beschäftigten David Bösch in Höhe von 185.000 Euro sowie 163.000 Euro des späteren Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann an, die ihr dieser zwischen 2010 und 2013 zur Verwahrung anvertraut hatte.

"Burgtheater war meine Leidenschaft"

Hinsichtlich der Fakten Bösch und Hartmann hatte sich Stantejsky geständig verantwortet, jedoch betont, sich nicht persönlich bereichert zu haben. Sie behauptete, sie habe mit den Honoraren der Theatermacher Verbindlichkeiten der in finanzielle Schieflage geratenen Burg getilgt. Noch nach Abschluss des Beweisverfahrens versicherte Stantejsky - den Tränen nahe - am Montagabend dem Schöffensenat: "Das Burgtheater war meine Leidenschaft. Das können Sie mir glauben. Ich hätte es nicht schädigen wollen." Sie ersuchte das Gericht, "meine damalige schlimme Situation, die teilweise aussichtslos war, zu berücksichtigen". Die Bundestheater-Holding habe ihr eine "schwarze Null" vorgegeben, im verzweifelten Bemühen, dies zu erreichen, habe sie sich übernommen und eine psychische Erkrankung entwickelt. Da habe sie sich nicht anders zu helfen gewusst, als mit dem fremden Geld, das sie in der Wohnung ihrer Mutter bzw. zu Hause gebunkert hatte, die finanziellen Engpässe der Burg abzudecken.