Montag, 27. Jänner, 21 Uhr, Richter Christoph Zonsics-Kral verliest nach einem zwölfstündigen Prozesstag das Urteil: Silvia Stanejsky wird schuldig gesprochen, ihre Befugnis als Geschäftsführerin des Burgtheaters wissentlich missbraucht zu haben. Haupanklagepunkt ist hier der recht freihändige Umgang mit der Kassa des Burgtheaters. Der Richter und die beiden Schöffen halten es für erwiesen, dass sie sich ansehnliche Beträge auszahlen ließ und vorgab, diese an Mitarbeiter etwa der Requisite oder der Kostümabteilung weiterzuleiten, mit dem Geld aber private Ausgaben finanzierte.

Drastisch war an diesem letzten Prozesstag vor allem die Konfrontation mit dem Zeugen Bernhard Kleber. Stantejsky unterfertigte in seinem Namen einen Kassabeleg mit einem Betrag in fünfstelliger Höhe. Der Bühnenbildner beteuerte indes glaubhaft, nie Bargeld vom Burgtheater erhalten zu haben, schon gar nicht eine so hohe Summe, zudem hielt er sich nachweislich an diesem Tag gar nicht in Wien auf.

Schadensgutmachung

Auch Gagen von Regisseur David Bösch und Intendant Matthias Hartmann in einer Gesamthöhe von 348.000 wurden ihr persönlich anvertraut. Das Geld ist aber weg. Selbst nach vier Prozesstagen und etlichen Vernehmungen konnte nicht restlos geklärt werden, wo es geblieben ist. Stantejsky sagt zwar aus, sie habe es für das Burgtheater verwendet, kann das aber nicht belegen. Hingegen konnte die Staatsanwältin anhand von Stantejskys Kontoauszügen veranschaulichen, dass hohe Einzahlungen ungeklärter Herkunft eingingen. Die Verurteilung erfolgte hier also anklagekonform.

Silvia Stantejsky wurde zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt, bei einer Probezeit von drei Jahren, wenn sie sich in diesem Zeitraum nichts zu Schulden kommen lässt, ist die bisher unbescholtene 64-Jährige weiterhin auf freiem Fuß. Allerdings muss sie binnen 14 Tagen rund 320.000 Euro an das Burgtheater zurückzahlen und die Prozesskosten tragen. Das Burgtheater hatte sich als Privatkläger dem strafrechtlichen Prozess angehängt und ursprünglich eine Forderung von rund 2,4 Millionen Euro gegen Stantejsky geltend gemacht. Der Richter verwies das Burgtheater nun an zivilrechtliche Maßnahmen.

Freigesprochen wurde Stantejsky indes vom Vorwurf der Bilanzfälschung. Obwohl zuletzt der Gutachter Peter Wundsam den Verdacht erhärten konnte, dass Stantejsky die Bilanzen vor allem beim Anlagevermögen und im Bereich der Rückstellungen zum Teil in Millionenhöhe geschönt hat. Dieser Tatbestand wurde im Urteil auch festgehalten, allerdings erwuchs dem Burgtheater daraus kein Schaden, daher kam es in diesem Punkt der Anklage doch zu einem Freispruch.

In den Vernehmungen wurde deutlich, dass die prekäre Finanzsituation des Burgtheaters aus der fehlenden Valorisierung der Gehälter resultierte. Bei gleichbleibender Basisabgeltung rutschte die Bühne allein durch kollektivvertragliche Lohnerhöhungen in eine finanzielle Schieflage. Mit zunehmend verzweifelten Mitteln versuchte die Angeklagte, der gegen Ende ihrer Dienstzeit ein Burn-out attestiert wurde, die "schwarze Null" in der Bilanz zu erreichen. In gewisser Weise müsste nicht nur eine Person, sondern das ganze System mit am Pranger stehen.

Der kaufmännischen Geschäftsführerin drohte eine Haftstrafe von ein bis zehn Jahren, mit zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldzahlung fiel das Urteil vergleichsweise milde aus. Stantejsky nahm es nach Rücksprache mit ihren Anwältinnen auch dankend an. Oberstaatsanwältin Veronika Standfest gab vorerst noch keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.