Wien. Seit der Gründung des Künstlerhauses im Jahre 1868 gehörten Theateraufführungen dazu. In den Anfangsjahren waren es vor allem Satiren für geschlossene Gesellschaften, später kam das Kabarett dazu. Ein festes Theater etablierten "Die Komödianten" schließlich im Jahr 1972; ab 1989 wurde die Bühne von der freien Wiener Szene bespielt, zunächst unter dem Label dietheater, ab 2007 wurde daraus das Koproduktionshaus brut mit internationaler Ausrichtung. Nun sieht es ganz danach aus, als würde die Neueröffnung des Künstlerhauses nach mehrjähriger Sanierung im März 2020 ohne Theater stattfinden. Das brut wird aus seinem Stammhaus in bester Innenstadtlage vertrieben.

Vor allem die gestiegenen Renovierungskosten, von ursprünglich budgetierten zwei auf drei Millionen, verunmöglichen eine Rückkehr. Auch diktiert die "Albertina modern" die künftigen Miet- und Nutzungskonditionen und erschwert offenbar die Arbeitsbedingungen des brut. Der neue Eigentümer des Künstlerhauses, die Haselsteiner Familienprivatstiftung, habe, so heißt es in einer Aussendung des Theaterhauses, "kein Interesse daran, dass das brut zurückkehrt".

Seit April des Vorjahres bemüht sich das brut um eine alternative Spielstätte im Atelier Augarten. Während man zunächst seitens der Burghauptmannschaft "sehr positive Signale" erhalten habe, sei dem Theater im Dezember mitgeteilt worden, dass man Gespräche mit dem Verein Bucharischer Juden zwecks einer "gemeinsamen Nutzung" führen solle. "brut benötigt die gesamten verfügbaren Räumlichkeiten im Atelier Augarten", heißt es weiter in der Aussendung. Daher appelliere man an die Entscheidungsträger, "sich für zeitgenössische Kunst und die freie darstellende Szene Wiens einzusetzen".