Was hat man von einer Frau zu erwarten, die in eine Kontaktanzeige schreibt: "Ich liebe Mozart"? Bessere Frage: Was für einen Mann hat eine Frau zu erwarten, der auf eine solche Selbstbeschreibung abfährt? Die Sache klappt in dem Dramolett des Filmemachers und Erfolgsautors Éric-Emmanuel Schmitt erst mit dem vierten Mann, und der ist - erraten! - nicht in der testosterongesteuerten Gruppe maskuliner Alphatiere zu verorten. Hoch lebe das Vorurteil!

Aber von vorne: Lokale Vernetzung ist angesagt in Rolando Villazóns Salzburger Mozartwoche, also führt er, der sich allüberall gern selbst einbringt, sogar im Salzburger Landestheater Schauspielregie, gemeinsam mit der jungen Hausregisseurin Christina Piegger. Für den Abend "Mozart moves!" wurden Dramolettaufträge an sieben Autoren vergeben, alle von ihnen bekamen Bläserdivertimenti von Mozart mit auf den Weg.

Unterschiedlichstes ist herausgekommen: Schmitt ging’s frontal an mit seinem Partnersuche-Clip "Ich liebe Mozart". Die Mexikanerin Guadelupe Nettel lässt in "Die Stimme des Windes" zwei indigene Frauen Gedanken über den Atem im Sein anstellen, tiefsinnig wie sentimental. Nahe an der Musik der Mexikaner Jorge Volpi mit "Brain Music": Eine Neurologin will durch Gehirnstrommessung an einem Dirigenten hinter das Wesen der Musik kommen. "Ich denke nicht, dass ein Wissenschafter ein Meerschweinchen nach seiner Meinung fragen soll", sagt der achselzuckend. Aber er heißt Tristan, und so wächst, während sie (die wenigstens nicht auf den Namen Isolde hört) von Hippocampus und Serotonin schwafelt, wenigstens die Zuneigung.

Andere haben sich der Musikanspielung entsagt, etwa der israelische Autor Shlomo Moskovitz, der in "Schleier" eine multikulturelle Gesellschaft zu Tisch bittet. Merke: Ein Spaghetti-Menü kommt politisch tendenziell unkorrekt an, wenn ein Gast den Niqab trägt. Aber auch der feministische Exkurs, in den sich die Gastgeberin hineinsteigert und in dessen Verlauf sie der vermeintlichen Muslimin den Schleier vom Gesicht reißt, enthüllt ein Genderproblem. So sperrig dieses Dramolett daherkommt, es ist eines der hintergründigeren an dem Abend, an dem man intellektuell nicht gerade überstrapaziert wird.

Fast gespenstisch der Deutsche John von Düffel: Eine Prostituierte ist aufs "Apartment 388" bestellt. Dort wartet kein sexhungriger Mann auf sie, sondern die Stimme aus dem Off verlangt, sie möge schlafen. Schlafen vor der Kamera, zu Mozarts KV 388 - das Ansinnen lässt die Dame fast aus den Stöckelschuhen kippen.

Insgesamt ein Textkonglomerat, inhaltlich, stilistisch, auch in der Qualität disparat - Murren unter den Mozart-Wöchnern. Immerhin: Sieben Schauspieler (Britta Bayer, Tina Eberhardt, Sophie Mefan, Nikola Rudle, Georg Clementi, Hanno Waldner und Christoph Wieschke) finden lohnende Aufgaben. Rollen, in denen es auch darum geht, blitzschnell Profil zu entwickeln.

Aber der Abend heißt "Mozart moves!", und das meinte nicht ahnungsvoll, dass einige Leute in der Pause das Weite suchen sollten. Man holt sich die Bewegung letztlich doch aus der Musik (dem ambitionierten Mozarteumorchester unter Gabriel Venzago), indem man zwischen den Dramoletten sechs Tanzpaare beschäftigt: Äußerst kreative, idiomatische Choreografien von Landestheater-Ballettchef Reginaldo Oliveira.