Nello Santi ist am Mittwoch im Alter von 88 Jahren in Zürich gestorben. Der Dirigent galt als ein Meister der italienischen Oper. Geboren wurde er am 22. September 1931 in Adria (Venetien). Am Liceo musicale von Padua studierte er Komposition und Gesang.

Als Dirigent debütierte er 1951 am Teatro Verdi in Padua mit Giuseppe Verdis "Rigoletto". 1958 bis 1969 war Santi Musikdirektor des Opernhauses Zürich, dem er danach weiter verbunden blieb. Sein dortiges Debüt war Verdis "Macht des Schicksals". 94 Premieren leitete er an dem Züricher Haus. Zuletzt dirigierte er 2019 die Wiederaufnahme von Donizettis "Lucia di Lammermoor".

Nello Santi an der Staatsoper

Auch der Wiener Staatsoper war Nello Santi lange Jahre verbunden. Am 13. März 1960 debütierte er mit "Aida" im Haus am Ring. In der Folge dirigierte er 79 Vorstellungen von 17 Werken. Darunter waren die  Premieren von Giordanos "Andrea Chenier" in der Inszenierung von Otto Schenk, die heute noch am Spielplan steht, sowie u. a. von Verdis Opern "Otello", "La forza del destino", "Rigoletto", Puccinis "Madama Butterfly" und Donizettis "Lucia di Lammermoor". Am 3. Oktober 1982 nahm Santi mit einer Vorstellung von "La Bohème" Abschied von der Wiener Staatsoper. Seine Aufführungen des italienischen Repertoires in diesem Haus wurden als mustergültig angesehen. Nello Santis Neigung, Höhepunkte durch besonders massive Attacken des Schlagzeugs zu markieren, trugen ihm beim Stehplatzpublikum den ironisch-liebevollen Spitznamen "Tschinello" ein.

Santi verfügte über ein fotografisches Gedächtnis. Er kannte Texte und Notentexte auswendig und leitete sogar die Proben stets ohne Partitur.