Welch eine "Elektra": Drama, Musik, Dirigat, Frauenrolle – diesmal stimmte einfach alles an der Wiener Staatsoper in Richard Strauss’ progressivem Werk. Hausdebütantin Christine Goerke hob mit ihrer mitreißenden Präsenz, stimmlich und darstellerisch, die Titelrolle der schwer vom Schicksal ihres Vaters Agamemnon gezeichneten Prinzessin auf ein höheres Niveau.

Ob sie die Musik nicht hörte nach vollendetem Racheakt an der verhassten Vatermörderin und Mutter Klytämnestra (gewohnt souverän Waltraud Meier) sowie an der Memme Aegisth (solide: Norbert Ernst)? Natürlich! Frei nach Hofmannsthal: Aus Goerke kam die Musik. Und mit welcher Kraft noch dazu.

Mit Simone Schneider, erstmals als schwächere Schwester Chrysothemis im Haus am Ring zu erleben, stand ihr eine getreue, stimmlich ebenso einwandfreie, präsente Gefährtin zur Seite. Nicht genug der immer stärker werdenden und schließlich obsiegenden Geschwisterliebe, konnte Starbariton Michael Volle als totgeglaubter Bruder Orest das familiäre Recht mit aller Wucht durchsetzen.

Auch das stringente, durchwegs elektrisierende Dirigat von Semyon Bychkov inspirierte zweifelsfrei das Musiker-Ensemble zu einem präzisen Zusammenspiel. Publikumslieblinge wie Marcus Pelz, Zoryana Kushpler, Thomas Ebenstein und Ildikó Raimondi (um nur einige zu nennen) schöpften an diesem Abend gemeinsam aus dem Vollen und ließen damit im Schreckenskabinett des Bühnenbilds von Rolf Glittenberg eine Strauss-Sternstunde erstrahlen.