Große Trauer herrscht über den Tod von Mirella Freni. Die italienische Sopranistin, die zu den weltweit besten Opernsängerinnen der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts gehörte, ist am Sonntag, den
9. Februar, in ihrer Geburtsstadt Modena gestorben.

Auf eigentümliche Weise schloss der Tod damit einen Kreis. Denn Mirella Freni und der Tenor Luciano Pavarotti galten als das Traumpaar der italienischen Oper schlechthin: Auch Pavarotti wurde in Modena geboren und starb in Modena. Mirella Freni und er kannten einander seit ihrer Jugendzeit, beide entstammten sie Arbeiterfamilien. Dass die Freni in der um die Weihnachtszeit angelaufenen Pavarotti-Dokumentation nur mit alten Clips präsent war, ließ Schlimmes befürchten: Eine Reihe von Schlaganfällen habe sie gehabt, wurde in Insiderkreisen gemunkelt, es stehe so schlecht um ihre Gesundheit, dass eine aktive Mitwirkung nicht mehr möglich gewesen sei. Das hat sich nun auf denkbar bittere Weise bestätigt.

Mirella Freni, am 27. Februar 1935 als Fregni geboren. Seit ihrem zehnten Lebensjahr sang sie. Der Startenor Benjamino Gigli riet ihr zu einer professionellen Ausbildung. 1955 debütierte sie in der Rolle der Micaëla in Georges Bizets Oper "Carmen".

Karajans Lieblingssängerin

Verheiratet mit dem Dirigenten Leone Magiera, legte sie nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr darauf eine Pause ein, die sie auch nützte, um ihren weiteren Lebensweg zu überdenken. 1958 nahm sie an einem Wettbewerb in Vercelli teil, den sie als Entscheidungshilfe verstand. Sie siegte - und kehrte auf die Bühne zurück.

Wenig später wurde Herbert von Karajan auf die junge Sängerin mit dem makellos leuchtenden, perfekt geführte Sopran aufmerksam. Damit begann eine beispiellose Karriere. Mirella Freni wurde Karajans Lieblingssängerin im lyrischen Fach.

Die Mimì in Puccinis Oper "La Bohème" galt als die ideale Rolle der Mirella Freni. In diesem Werk konnte sie eine breite Palette intimer Gefühle ausspielen. Kaum eine andere Sängerin verstand sich auf solche Nuancen. Mirella Freni hatte die Gabe der äußersten Intensität.

Mädchenhaft, fast süß in der Bühnenerscheinung, sang sie strahlende hohe Töne, schien in den Legati nicht atmen zu müssen und konnte mit zurückgenommener Stimme die Stille der höchsten Spannung erzeugen. Nur mit einem kaum wahrnehmbaren Zittern, einem absichtlichen leichten Brechen gestaltete sie den Tod der Mimì auf eine Weise, die sogar hartgesottenen Fachleuten die Tränen in die Augen trieb. Selbst der als so beherrscht geltende Karajan war überwältigt. Nach einer Aufführung von Giacomo Puccinis "La Bohème" im Jahr 1963 sagte er zu ihr: "Ich habe zweimal in meinem Leben geweint: Als meine Mutter starb und jetzt, als Sie auf der Bühne gestorben sind." Die Einspielung der "Bohème" unter Karajan mit Freni, Pavarotti und Frenis zweitem Mann Nicolai Ghiaurov aus dem Jahr 1972 gilt als exemplarisch und unübertroffen bis heute.

Fünf Jahrzehnte dauerte die Karriere der Mirella Freni. Sie sang auf den prestigereichsten Bühnen der Welt. Auch an der Wiener Staatsoper feierte sie Triumphe. Anlässlich ihres Todes gibt denn auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer seiner "tiefen persönlichen Betroffenheit" Ausdruck: "Es macht mich sehr traurig, dass diese Sängerin, die zu den Allergrößten des 20. Jahrhunderts gehörte, nicht mehr bei uns ist. Sie wird uns künstlerisch, pädagogisch und menschlich sehr fehlen. Mirella Freni war eine Institution. Die Unvergessliche wird auch für künftige Sängergenerationen eine absolute Referenz für innigen Ausdruck und Interpretation bleiben."

Mirella Freni beschränkte sich lange auf ein vergleichsweise kleines Repertoire, etwa Puccini (Mimì, Cio-Cio San, Manon, Liù), Verdi (Aida, Desdemona, Amelia, Leonora, Requiem), Boito (Margherita), Mozart (Susanna, Contessa). Erst später erweiterte sie ihr Repertoire unter anderem mit Cileas "Adriana Lecouvreur", Giordanos "Fedora" und den weiblichen Hauptrollen in Tschaikowski "Eugen Onegin", "Pique Dame" und "Die Jungfrau von Orleans". Große Bedeutung hat Mirella Freni nicht zuletzt auch als Gesangslehrerin.

Dank der Aufnahmen wird dieser Stern weiterstrahlen - glücklich, wer diese einzigartige Sängerin auf der Bühne erleben konnte.