Nach einer von Dominique Meyer angeführten Schweigeminute für die jüngst verstorbene Sopranistin Mirella Freni ging es unter dem Dirigat von Marco Armiliato schwungvoll in die 616. (!) Aufführung von Margarethe Wallmanns Einrichtung der "Tosca" aus dem Jahr 1958. Die Kulissen wackeln und die Kostüme stauben in der liebgewonnenen Inszenierung, die schon lange nur noch den harmlos-konventionellen Bilderrahmen zum Gesang bietet. Das "Tosca"-Publikum will weiße Perücken, hübsche Kostüme, Sant’Andrea della Valle Interieurs, und Kerzen um den Leichnam Scarpias. Und sie bekommen es. Absetzen und etwas Neues machen wäre teuer und würde nur Ärger bringen.

Martina Serafin. - © STOP/Taylor
Martina Serafin. - © STOP/Taylor

Also konzentriert man sich auf die Sänger, wo Martina Serafin, Aleksandrs Antonenko und Željko Lučić sehr ordentliche Leistungen lieferten. Antonenko, ein Mords-Mannsbild, kommt im Cavaradossi-Kostüm daher wie ein Heroë aus einem 1950er-Abenteuerfilm. Die Stimme ist konzentriert, ohne übermäßig laut oder unschön forciert zu sein, und scheint direkt hinter dem Nasenbein zu sitzen. Wo in der Höhe mal etwas Kraft wegbleibt, wird in der nächsten Tiefe nachgeschoben. Irgendwie stellt man sich so einen klassischen Cavaradossi vor. Das trifft auch auf Martina Serafin zu, die durchaus spitz und laut, mit angerauter Schärfe, in die überdrehte, eifersüchtige Tosca schlüpft, ohne sie allzu unsympathisch zu gestalten. Dabei stichelt Puccini mit seiner Parodie einer Sopranistin, wenn er Floria "Es-geht-immer-um-mich" Tosca sich über ihre Torturen beschweren macht - "Son io che così torturate!" -, während nebenan gerade Mario Eisen in die Schläfe getrieben werden. Apropos Scarpia: Lučić, mit leicht angestrengter Tiefe und milchiger Weiche selbst im finsteren Ton, entkommt seinem Kostüm nicht und gibt einen klischeehaften Bösewicht. Das einwandfrei und routiniert, wenn auch oft recht laut spielende Staatsopernorchester rundete die goutierbare Aufführung ab.