Von Liebe ist längst keine Rede mehr. Bleibt der Sex. Doch auch der macht Probleme in Thomas Richters Stück "Reigen", das im TAG uraufgeführt wurde: Der Bodybuilder heuert eine Prostituierte an - doch kaum gelingt ihm die Erektion, versagt sein Kreislauf. Oder: Der One Night Stand der Aufsichtsrätin scheitert an der akribischen Planung. Oder: Dem schwulen Paar kommt ein Übermaß an Romantik in die Quere, das lesbische Paar schafft nicht einmal die glückliche Trennung.

Am Schluss endlich Sex: gekauft zwar, aber immerhin. Doch die Aufsichtsrätin flüchtet, ehe sie ihren Partner für die Nacht noch einmal sieht. Zwischen den Szenen erklären sich die Protagonisten auf der Videowall des Bühnenhintergrunds. Das mag abgeguckt sein vom Film "Harry und Sally" - überzeugt freilich dort wie hier.

Thomas Richter arrangiert sein Dialogkonvolut nach Arthur Schnitzlers "Reigen"-Modell: Von Szene zu Szene bleibt eine Gestalt auf der Bühne, die andere Person wechselt. Richter schaut genau auf die zwischenmenschlichen Möglichkeiten in einer Gegenwart, die zur digitalen Vereinsamung drängt. Der Humor konturiert die Verzweiflung. Das ergäbe gute Kurzgeschichten, doch die Bühnentauglichkeit ist schwach, der Abend mit zwei Stunden um rund eine halbe Stunde zu lang. Immerhin kann Regisseurin Dora Schneider dem Fehlen des Spannungsbogens immerhin mit präziser Personenführung gegensteuern.

Das fulminante Ensemble ist unterfordert: Michaela Kaspar, Lisa Schrammel, Petra Strasser, Jens Claßen, Raphael Nicholas und Georg Schubert schlüpfen in je zwei bis drei Rollen, die alle zu ähnlich sind, um unterschiedliche Charaktere glaubhaft erspielen zu können: Alle einsam, alle bitter. Alle irgendwie austauschbar.

Langer Applaus eines Publikums, in dem wohl mancher seine eigene Lebenssituation auf der Bühne widergespiegelt fühlte.