Ein roter Teppich wird aus- und wieder eingerollt, ein Fußballspiel läuft aus dem Ruder. Ein Spannleintuch verbirgt gespenstische Tanzbewegungen, die sich nur in Umrissen erahnen lassen. Einem Trommler fällt ein toter Fisch aus dem Instrument, der Tänzer reproduziert dessen vermeintlich letzte Bewegungen.

Diese und andere szenische Miniaturen bilden die einstündige Performance "Marathon of the Believers", die der irakische Theatermacher Abdallah Shmelawi mithilfe der Wiener Akademie Divercitylab zusammengestellt hat. Auf der Bühne des Hamakom-Theaters hört man dazu noch lyrische Texte in verschiedenen Sprachen und ein breites Klangspektrum von den brummenden Saiteninstrumenten eines Live-Musikers über das Klatschen von Wasser bis hin zu ekstatischem Disco-Tanzsound.

Nach ersten, vor allem stimmungsvollen Einleitungsminuten zieht Kari Rakkola alle Aufmerksamkeit auf sich. Der aus Finnland gebürtige Wiener Schauspieler steigert sich als fleischgewordener Comic-Firmenboss in eine hemmungslos verzweifelte Wut hinein. Das beweist einerseits bemerkenswerten Mut zur Lächerlichkeit und lässt die Beobachter andererseits verdattert bis eingeschüchtert zurück. Dass und wie diese expressiven Momente in Summe auf das Vakuum in Bagdad nach der Ergreifung Saddam Husseins 2003 verweisen sollen, geht nur aus dem Programmzettel hervor - die im Text einmal angesprochene "geistige Impfung" bietet Shmelawis Abend nicht. Seine Bilder jedoch wird man sich wahrscheinlich noch länger merken.