Aus den Vorwürfen gegenüber der Ballettakademie der Wiener Staatsoper folgen nun erste Konsequenzen: Ein Team von vier internationalen Experten soll ein "strategisches Gesamtkonzept für die Zukunft" erarbeiten. Berufen wurde das Team vom designierten Staatsoperndirektor Bogdan Roscic und dem künftigen Ballettchef Martin Schläpfer.

Die hohe Kunst der Disziplin: Spitzentanz ist wie Hochleistungssport. - © APAWeb /dpa/Bernd Weissbrod
Die hohe Kunst der Disziplin: Spitzentanz ist wie Hochleistungssport. - © APAWeb /dpa/Bernd Weissbrod

Das Leitungsduo tritt im September 2020 sein Amt an und will damit der im Kommissions-Endbericht veröffentlichten Empfehlung folgen, "ein Gesamtkonzept für eine zeitgemäße, klassische Ballettausbildung auf höchstem Niveau unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln". Das vierköpfige Team besteht aus Mavis Staines (Toronto), Samuel Wuersten (Zürich/Den Haag), Jason Beechey (Dresden) und Patrick Armand (San Francisco).

Sie sollen nun ihre Expertise und Erfahrungen im Bereich der Tanzpädagogik zur Verfügung stellen, "um die organisatorischen Strukturen der Ballettakademie zu verbessern und unter umfassender Berücksichtigung von Kinderschutz und Kindeswohl eine zeitgemäße Ausbildung für junge Tänzerinnen und Tänzer anzubieten", wie es am Mittwochnachmittag in einer Aussendung heißt. Das Gesamtkonzept werde auch das Anforderungsprofil für die zukünftige Leitung der Ballettakademie bestimmen, deren Bestellung vor dem Sommer erfolgen wird.

Notwendiger Schritt

"Das Wohl der Kinder, die Tänzergesundheit und die bestmögliche Vorbereitung auf die Herausforderungen des professionellen Tänzerberufs auf internationalem Topniveau stehen im Mittelpunkt unserer Überlegungen für die Neupositionierung der Ballettakademie", so Schläpfer. "Die Ballettakademie muss in Zukunft eine klassische Ballettausbildung auf höchstem Niveau sicherstellen, die heutigen internationalen Standards entspricht und jungen Tänzerinnen und Tänzer zeigt, wie erfüllend und nachhaltig das Leben im Ballettsaal und auf der Bühne sein kann. Ich selbst denke oft an meine Ausbildungszeit zurück, die von Respekt vor der Kunstform des klassischen Balletts und den persönlichen Bedürfnissen von Nachwuchskünstlern geprägt war."

Kunst-Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) begrüßte in einer Aussendung die Maßnahme der Staatsoper, mit der der Prozess der Neuaufstellung fortgesetzt werde. "Die nunmehrige Einsetzung des Experten-Teams ist ein weiterer notwendiger und guter Schritt zur Neuausrichtung der Ballettakademie. Ziel ist, eine zeitgemäße, im internationalen Kontext hochqualitative Ballettausbildungsstätte zu schaffen. Im Zentrum muss dabei das Wohl der Schülerinnen und Schüler stehen", so Lunacek.(apa)