Falten glätten, Witwen trösten, Motten bekämpfen, Mägen kurieren: Die Anwendungsgebiete von Dulcamaras Heilmittelchen sind vielfältig. Und vor allem günstig. Bloß drei Lire verlangt der großspurige Quacksalber für sein Wunderelixier. Wer würde da nicht zugreifen? Ambrogio Maestri ist in dieser Rolle ganz in seinem Element an der Staatsoper. Er spielte ungemein überzeugend und ließ sich jedes Wort von Felice Romanis Text auf der Zunge zergehen: ein wunderbarer Komödiant samt schöner Stimme. Die kluge und belesene Adina fällt in Donizettis "L’elisir d’amore" bekanntlich nicht auf Dulcamaras Gerede herein. Regula Mühlemann glänzte in dieser Partie mit jugendlicher Frische, akkurater Stimmführung und detailreicher Gestaltung. Der Sopran (sie gab ihr Debüt an der Wiener Staatsoper) ist bezaubernd lyrisch, wendig und verfügt über eine wunderbar warme Höhe.

Aufkeimende Trägheit

Jinxu Xiahou als Einfaltspinsel Nemorino agierte nach Verabreichung des Liebestranks (vulgo Bordeaux) deutlich befreit, darstellerisch wie stimmlich. In Sachen Schmelz und Variabilität ließ der Tenor aber Wünsche offen. Medioker Rafael Fingerlos als eitler Belcore. Die musikalische Leitung des leichtfüßigen Werks lag in der 253. Aufführung der entzückend altmodischen Inszenierung in den Händen von Evelino Pidò. Der Italiener dirigierte versiert und umsichtig, einer im zweiten Teil aufkeimenden Trägheit konnte er jedoch nicht entgegenwirken. Das Orchester klang am Ende eines intensiven Wochenendes mittelprächtig.