Nikolaus Adler liebt es, Geschichten zu erzählen. Dabei greift er besonders tief in den schier nie erschöpflichen Topf der Mythen und Legenden, verpackt diese dann zu einer ästhetischen Performance mit technisch versierten Tänzern in filmischen Settings und Bildern, die in Erinnerung bleiben. So auch in seiner jüngsten Performance: "Sing no more this bitter tale . . .", die am Wochenende im Wiener WUK uraufgeführt wurde.

Interpretationsmöglichkeiten lässt Adler viele zu, wenn er den Mythos des Odysseus mit filmischen Zitaten verpackt und sich seine Performer mit Selbst- und Fremdkontrolle bewegungstechnisch auseinandersetzen. Manche Tanzsequenzen fließen so homogen und bis ins Detail perfektioniert ineinander, dass man es bedauert, wenn sie vorbei sind. Dazwischen inszenieren die vier Performer - Etienne Aweh, Laura Fischer, Katharina Illnar und Chris Wang - diese Produktion selbst: Sie stellen Nebel- oder Windmaschinen auf, legen die Kostüme auf dem Boden auf, schlüpfen damit in unterschiedliche Rollen oder betätigen das Tonbandgerät. "Die Zeit hat ihre Schuldigkeit getan, sie ist vergangen", heißt es an einer Stelle und lädt einerseits zum Schmunzeln und andererseits zum Nachdenken ein - wie auch der Rest dieser feinen Inszenierung.