Wenn dich diese Nachricht erreicht, sind wir längst vergessen und du bis der letzt Widerstand", mit diesem Appell an die Nachgeborenen beginnt die Volkstheater-Uraufführung "Schuld & Söhne" in der umbaubedingten Ausweichspielstätte Halle E im Museumsquartier.

Die Stückentwicklung mit Mission und Passion von Regisseurin Christine Eder und Musikerin Eva Jantschitsch spielt in einer nicht näher definierten Zukunft, in der die Klimakatastrophe bereits eingetroffen ist. Wie so oft in apokalyptischen Sci-Fi-Visionen, ist es auch hier einer kleinen Gruppe gelungen, sich zu retten. Die sieben Mitglieder einer sektenähnlichen Vorzeige-Kommune stehen nun im Zentrum der 90-minütigen Aufführung.

Schaffen wir das?

Um fünf Uhr morgens begrüßen sie jeden neuen Tag mit einem Morgenritual, später ist es für derlei Aktivitäten zu heiß. Die Schauspieler, bekleidet mit T-Shirts und Unisexwickelröcken, fassen einander an den Händen und beten zur Urmutter Gaia: "Wir schonen, wir schonen, wir teilen, wir teilen." Auf den Morgengruß folgt die Tagesbilanz. Die sieben bilden dabei eine Stirnreihe und besprechen Probleme, die sich meist um Rationierungen von Wasser und Lebensmittel drehen und zu immer drastischeren Maßnahmen führen - so dürfen die Bewohner etwa nur mehr einmal pro Woche duschen. Mit dem Slogan "Wir schaffen das" wird jede weitere Diskussion abgewürgt. "Was früher normal war, ist heute Luxus", fasst eine Bühnenfigur den erzwungenen Lebensstilwandel zusammen.

Die autarke Gemeinschaft gerät nun einerseits durch eine stetig wachsende Zahl an Klimaflüchtlingen unter Druck, andererseits will ihnen eine autoritäre Politik zweifelhafte Geo-Engineering-Projekte aufdrängen. Wie geht die wackere Gutmenschen-Community mit diesen Fährnissen um? So weit die brisante Ausgangslage des Stücks, das jedoch in der szenischen Umsetzung bald an Witz und Prägnanz einbüßt und zum matten Lehrstück verkommt.

Die Akteure sind meist frontal zum Publikum aufgereiht, brüllen oder palavern sich durch den Kosmos sattsam bekannter Krisen- und Konflikt-Debatten: angefangen vom Klima, über die Genderfrage, bis hin zur fraglichen Zukunft der Linken und den Vormarsch der Rechten. Es ist, als ob das Theater diverse Leitartikel zur kritischen Gegenwartsdiagnose auf der Bühne versammelt, aber leider so so, dass man das Papier förmlich rascheln hört.

Auch die fabelhafte Musik von Eva Jantschitsch, alias Gustav, konnte daran nicht wirklich viel ändern. Der Chor der Klimaflüchtlinge kommt nicht wirklich in Fahrt, die Bedrohung durch den Ansturm der Massen bleibt schiere Behauptung. Jantschitsch interpretiert nur ein einziges Lied, die Sängerin hat zwar einen großen Auftritt auf einem goldenen Porsche, abendfüllend war ihre Musik dieses Mal leider nicht.

"Schuld & Söhne" ist bereits die vierte Zusammenarbeit der beiden Theatermacherinnen. Von der Auseinandersetzung mit dem roten Wien in "Alles Walzer, alles brennt" (2016/17) und der ehrenwerten "Verteidigung der Demokratie" (2018/19) bis hin zur aktuellen Klimatragödie "Schuld & Söhne" hat sich das Duo am Volkstheater an politischen Stückentwicklungen abgearbeitet, doch an ihren Nestroy-prämierten Sensationserfolg mit der Neuauflage der "Proletenpassion 2015 ff" im Werk X konnten sie nicht mehr anknüpfen.

Gewiss haben die beiden ein Gespür für relevante Themen, die auf die Bühne gehören, aber mit einem so schlichten Thesenspiel wie "Schuld & Söhne" kommt man nicht weiter.