Im Berliner und Wiener Theaterleben der 1920er und 1930er Jahre war der "Goltz" bekannt wie ein bunter Hund. Unter diesem Künstlernamen hat der Wiener Pressezeichner Erich Gold hunderte Theaterszenenbilder in großen Tageszeitungen veröffentlicht, markante Künstlerportrats gefertigt und Werbezeichnungen für Filmstudios erstellt.

Hans Haider, Kulturjournalist und Theaterkritiker der "Wiener Zeitung", hat den in Vergessenheit geratenen Theaterzeichner, Karikaturist und Cartoonist wieder entdeckt und ihm in dem reich bebilderten Band "Der bissige Bleistift" ein würdiges Denkmal gesetzt. Golds Zeichnungen waren über die halbe Welt verstreut, dank Haiders jahrelangen Recherchen konnten zahlreiche Dokumente geborgen und in Buchform zugänglich gemacht werden. Die grandiose Bilderchronik dokumentiert nicht nur eine große Theaterära - von Max Reinhardt über Erwin Piscator bis hin zu Bertolt Brecht. Gold begleitete mit seinen pfiffigen Künstlerporträts auch den Aufstieg des Tonfilms. Nicht zu vergessen: die politischen Karikaturen des begnadeten Zeichners. Gold gab die Nazi-Granden dem Gespött preis, seine Goebbels- und Hitler-Karikaturen sind zum Brüllen komisch. 1933 musste der Sozialist und Jude deshalb von Berlin nach Wien flüchten, zurück in seine Heimatstadt, in der er 1899 geboren und aufgewachsen ist. Von 1933 bis 1938 setzte der rastlose Nachtschwärmer sein bildnerisches Werk in Wien fort.

Vor allem die Bildkolumne "Der bissige Bleistift" im "Neuen Wiener Tagblatt" bezeugte seine kritische Auseinandersetzung mit dem sich ausbreitenden Nazi-Terror. Golds letzte Zeichnung erschien am 10. März 1938. Bald darauf packte er erneut die Koffer, entkam knapp der Verfolgung durch die Gestapo, erreichte völlig mittellos die Schweiz und landete schließlich am 14. Oktober 1939 in New York. Fast seine gesamte Familie wurde Opfer des Holocaust.

In den USA änderte Erich Gold seinen Namen auf Eric Peters. 1941 porträtierte der Emigrant wieder Broadway-Stars wie Lillian Hellman und arbeitete für die renommierte "Theatre Guild". Auch seine Anti-Nazi-Cartoons wurden wieder veröffentlicht. Verheiratet war er kurzzeitig mit der Comic-Buch-Pionierin Lily Renée, die wie er aus Wien stammte und mit einem der letzten Kindertransporte nach England evakuiert wurde. Die beiden arbeiteten erfolgreich in der boomenden Comic-Buch-Branche. 1952, mit der Scheidung, endete die Zusammenarbeit. 1965 kehrte Eric Peters mit seiner vierten Ehefrau nach Wien zurück und starb, vergessen von Theaterwelt und Zeitungsmenschen im Jahr 1979. Hans Haiders "Der bissige Bleistift" fängt etwas von Erich Golds beachtlichem Werk ein und gewährt erstaunliche Einblicke in ein bewegtes Leben.