Irmgard Knef feiert heuer ihren 95. Geburtstag. So will es die Vita der fiktiven eineiigen Zwillingsschwester der 2002 verstorbenen Chansonnière Hildegard Knef, die der soeben 55-jährige Ulrich Michael Heissig seit 20 Jahren mit viel Witz und Charme verkörpert. Sie macht kein Hehl aus ihrem Alter – "ich mach ’ne Show draus", stellt sie zu Beginn ihres neuen Programms "Barrierefrei" fest. Warum der Titel? Weil die Knef nach einem Sturz nicht mehr so gut zu Fuß ist und ins Altersheim zieht.

Ulrich Michael Heissig alias Irmgard Knef. 
- © Ernesto Gelles

Ulrich Michael Heissig alias Irmgard Knef.

- © Ernesto Gelles

Dort blickt sie nun zurück auf die Karriere ihrer berühmten Zwillingsschwester, die seinerzeit in die USA ging, statt in Berlin mit ihrer Schwester zusammenzuziehen. Und so lebte Irmgard seit 1948 allein in ihrer Altbauwohnung, die Stoff für wohnpolitische Betrachtungen liefert (Stichwort: Hausverwaltungen und Gentrifizierung). Aber im Mittelpunkt stehen ihr Rollator und ihr Heimplatz. Und wenn die alte Dame von ihrer Suche nach Letzterem und dem Umzug dorthin berichtet (natürlich auch singend), wimmelt es auf der Bühne nur so vor Wortspielen. Heissig lässt sein Alter Ego locker parlieren, aber zwischendurch auch ernste Themen wie den Nationalsozialismus streifen. Bevor es zu ernst wird, schwenkt die Knef aber stets rasch zu etwas anderem um. Und sie lässt viel Altersmilde walten, wenn sie die Welt um sich herum, und wie sie sich verändert hat, betrachtet. Als 94-Jährige darf sich Heissig auch ungestraft über alte Menschen lustig machen, bloß ein bisschen boshaft, mit sehr feinem Humor. Aber natürlich nimmt sie auch Jüngere aufs Korn, von der Generation iPhone bis zur Wirtschaft 4.0. Wenn der 19-jährige Pfleger im Heim Kevin heißt, dann ist eigentlich alles klar. Vor der Knef und ihrer scharfen Zunge ist jedenfalls niemand sicher – nicht einmal sie selbst. Wenn das Alter so aussieht, braucht man eigentlich keine Angst davor zu haben.

Verschnaufpause auf dem Weg ins Altersheim. - © Ernesto Gelles
Verschnaufpause auf dem Weg ins Altersheim. - © Ernesto Gelles