"Baal" ist Bertolt Brechts enigmatisches Jugendwerk, entstanden 1918. Das Motiv des Stücks ist der Künstler als böses Genie. Der Protagonist Baal, ein junger Dichter, lebt sich exzessiv aus und bezieht besonderen Genuss daraus, seine Mitmenschen nach allen Regeln der Kunst fertig zu machen. Brecht bezeichnete Baal einmal als "Sichausleber und Andreausleber".

Im Werk X ist das selten gespielte Stück nun in der Regie von Co-Intendant Ali M. Abdullah zu sehen. Die Figuren sind mit entpersonalisierten Masken und wilden Perücken versehen, die an die Festwochen-Gastspiele von Markus Öhrn erinnern. Ähnlich wie in Abdullahs grandioser Faldbakken-Dramatisierung "Macht und Rebel" (2017) setzt der Regisseur auch bei "Baal" auf Cross-Dressing: Christoph Griesser, Felix Krasser und Daniel Wagner schlüpfen wahlweise in die Rollen der gedemütigten Frauenfiguren, während sich Michaela Bilgeri als Baal und Constanze Passin als dessen Freund Ekart matchen, was zu dem Besten gehört, was man derzeit am Theater sehen kann. Doch die übrigen schnell aneinandergereihten Ensembleszenen glücken nicht wirklich, die Inszenierung zerfällt sehr bald. Was bleibt, ist vor allem Michaela Bilgeri. Wie sie sich die bösartig-charismatische Baal-Figur zu eigen macht, da läuft es einem kalt über den Rücken.