Bisher hat er jede Schuld von sich gewiesen. Nun ändert der Opernweltstar die Tonart gegenüber seinen Anklägerinnen. "Ich möchte, dass sie wissen, dass mir der Schmerz, den ich ihnen zugefügt habe, ehrlich leidtut", erklärte Plácido Domingo am Dienstag. Und: "Ich erkenne die volle Verantwortung für meine Taten an."

Im August des Vorjahres hatte Associated Press den Fall ins Rollen gebracht: Die Nachrichtenagentur veröffentlichte Schilderungen von 20 Frauen, die dem spanischen Opernstar sexuelles Fehlverhalten vorwerfen. Die Beschuldigungen reichen teilweise bis in die 80er Jahre zurück und umfassen ein Spektrum von unangemessenen Äußerungen, unerwünschten Garderobenvisiten, obsessiven Telefonanrufen bis zu ungewollten Küssen und unsittlichen Berührungen. Nachdem die Causa publik geworden war, verlor Domingo nach und nach seine Engagements in den USA und legte die Leitung der Oper von Los Angeles zurück. Das Haus leitete in der Folge eine Untersuchung gegen den Sänger ein.

Untersuchungen in den USA

Warum sich Domingo ausgerechnet jetzt entschuldigt, wurde bisher nicht offiziell begründet. Sollte das Boulevard-Blatt "New York Post" recht haben, liegt allerdings ein gewichtiger Anlass vor. Während die Untersuchungen in Los Angeles noch im Gang sind, sei nämlich eine weitere Kommission zu einem Abschluss gekommen. Die für Opernkünstler zuständige US-Gewerkschaft habe im vorigen Herbst 55 Personen zu den Vorwürfen befragt. Mehr als zwei Dutzend hätten angegeben, von Domingo sexuell belästigt worden zu sein oder ein Fehlverhalten des heute 79-Jährigen miterlebt zu haben. Die "New York Post" beruft sich auf Personen, die "vertraut mit den Erkenntnissen" des Gewerkschaftsberichts seien.