Eine Fülle von Meistern", verspricht Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, als sie die diesjährige Programmpräsentation der Festwochen eröffnet. Tatsächlich bietet Intendant Christophe Slagmuylder in seiner zweiten Spielzeit von 15. Mai bis 21. Juni eine vielversprechende Kombination aus bekannten Festwochen-Größen, lange nicht mehr gesehenen Theatermachern und neuartigen interdisziplinären Projekten. "Wir zielen auf die Entwicklung neuer Werke und Formate ab", sagt der 53-jährige Belgier über sein Programm, das 15 Weltpremieren in petto hat. Eine Rekordzahl!

Milo Rau, der zur Zeit wie kaum ein anderer das Prinzip Stadttheater herausfordert, eröffnet die Festwochen am 16. Mai mit der Brandrede "Against Integration". Gemeinsam mit der indigenen Aktivistin und Schauspielerin aus dem Amazonasgebiet, Kay Sara, wird hinterfragt, wie man in westlich-kapitalistischen Staaten noch Widerstand leisten könnte. Ort der Austragung des Polit-Schauspiels ist das Burgtheater.

"Unglaubliche Inszenierung"

Der Frage, wie gegenwärtig politische Krisen in der Kunst verhandelt werden, widmet das Festwochenprogramm einen eigenen Schwerpunkt. Die Künstlerin und verfolgte Aktivistin Tania Bruguera wird sich etwa in "Bitte liebt Österreich! - Eine Schule für Integration" mit Christoph Schlingensiefs Containerprojekt aus dem Jahr 2000 auseinandersetzen. "Galileo", ihre Re-Lektüre von Brechts "Leben des Galilei", ist ein Auftragswerk der Festwochen.

Die New Yorker Wooster Group, spezialisiert auf Theater und Technologie, kehrt mit Brechts Lehrstück "Die Mutter", nach mehr als 20 Jahren wieder nach Wien zurück. Auch der viel diskutierte portugiesische Regisseur Tiago Rodrigues, der im Vorjahr bereits mit "Sopro" in Wien zu sehen war, wird heuer sein neuestes Stück, "Catarina oder von der Schönheit, Faschisten zu töten", im Burgtheater herausbringen.

Weiters punktet das Sprechtheater mit einer Uraufführung von Katie Mitchells Umweltstück "2020 oder Das Ende", das gerade im Verbund mit der Dramatikerin Alice Birch und dem Burgtheater entsteht.

Zu sehen sind überdies aktuelle Arbeiten von Toshiki Okada ("Eraser Mountain"), Guillermo Calderóns "Dragón" und Susanne Kennedys "Ultraworld", eine hochgelobte Aufführung aus der Berliner Volksbühne.

Das Musiktheater, traditionell Stiefkind der Festwochen, ist in dieser Ausgabe prominent vertreten: Der italienische Bilderstürmer Romeo Castellucci setzt sich mit Mozarts "Requiem" auseinander, laut Slagmuylder "eine unglaubliche Inszenierung, die unsere Vorstellung vom Umgang mit Sängern auf der Bühne verändern wird."

Nach mehr als einem Jahrzehnt gibt es auch ein Wiedersehen mit Heiner Goebbels, der in "Everything that happened and would happen" eine musikalische Geschichte der Menschheit entwirft. Und der Franzose Philippe Quesne entwirft im Auftragswerk "Das Lied von der Erde" einen neuartigen Liederzyklus.

Das Tanztheater ist mit Altmeister William Forsythes "A Quiet Evening of Dance" vertreten, bringt die Uraufführung des neuen Solos von Anne Teresa De Keersmaeker, die Neuproduktion des Wiener Performers Philipp Gehmacher "The Slowest Urgency" und lässt es mit Marlene Monteiro Freitas "Mal" krachen.

"Neue Hörerlebnisse" verspricht Slagmuylder im Konzertprogramm mit zeitgenössischen Kompositionen etwa von Bernhard Gander und Éliane Radigue.

Die Festwochen 2020 bieten an 43 Tagen 46 Produktionen von 546 Künstlern aus 24 Ländern und noch dazu zwei Ausstellungen. Slagmuylder abschließend: "Wir haben viel Arbeit und Sorgfalt in das Programm gesteckt." Die Spiele mögen beginnen.