Waren das Zeiten, als Felix Mitterer die blutenden Wunden des Lebens zeigte, als er, noch ohne Blick auf "Tatort"-Zuschauer und Abonnement-Publikum, mit der Pranke des Dramatikers die Kehlen zuschnürte und in die Magengruben schlug. Waren das Zeiten!

Ihnen entstammt der Einakter-Zyklus "Besuchszeit": Vier Zwei-Personen-Szenen, jeweils ein Mann und eine Frau: Die Schwiegertochter besucht den Schwiegervater, der im Altersheim einen quälenden Gleichklang der Tage erleidet ("Abstellgleis"). Der Mann besucht seine Frau, die einen Mordversuch an ihm begangen hat, im Gefängnis, beide einander immer noch in Liebe zugetan, beide wissend, dass eine weitere Beziehung unmöglich ist ("Verbrecherin"). Dann besucht die Tochter den Vater in der Nervenheilanstalt - fast gelingt es ihr, ihn zur Vernunft zurückzuzwingen. Dann erkennt sie, dass er sich unentrinnbar in den Wahn gesteigert hat ("Weizen auf der Autobahn"). Zum Schluss das Ehepaar: Sie im Krankenhaus, er ihr gegenüber hilflos. Sie, die Sterbende, findet für ihn tröstende Worte ("Man versteht nichts").

Felix Mitterer schrieb den beklemmenden Einakter-Zyklus. - © apa/Herbert Nauebauer
Felix Mitterer schrieb den beklemmenden Einakter-Zyklus. - © apa/Herbert Nauebauer

Der Aufführung der Theatermanufaktur im Theater Center Forum ist der große Abend der Angela Schneider, die alle Frauenrollen mit beklemmender Intensität verkörpert. Peter Josch (Vater und Schwiegervater) überzeugt durch seine Persönlichkeit, seine Wahnhaftigkeit in der Nervenklinik ist großes Theater. Anatol Rieger (Ehemänner) wirkt hingegen steif.

Um die Spielorte zu charakterisieren, genügen Doris U. Reichelt und Christian Fuchs Paravent, Tisch und Sessel. Richard Maynau und Peter Josch führen abwechselnd Regie mit scharfem Blick für Details. Die der Vorlage auch innewohnende Ironie verschieben sie zugunsten eines Appells an die Menschlichkeit im eigenen engsten Umfeld, der nachwirkt lange, nachdem der starke Schlussapplaus verklungen ist.