Er war der Mann, der Carl Spitzwegs Meisterwerk "Der arme Poet" einst aus künstlerischen Gründen aus der Berliner Nationalgalerie vorübergehend entwendete: Der deutsche Performancekünstler Ulay ist in der Nacht zum Montag (2. März) im Alter von 76 Jahren in Ljubljana gestorben.

Ulay war langjähriger Partner der Künstlerin Marina Abramovic, mit der er mit groß angelegten Aktionen weit über die Kunstwelt hinaus für Aufsehen sorgte. Um ihre Trennung zu feiern und zu besiegeln gingen sie 1988 einander  auf der Chinesischen Mauer entgegen. Was für ein Finale!

Streit und Versöhnung

2015 kam es zu einem Streit des ehemaligen Künstlerpaars, Ulay, dessen Solo-Karriere nicht ganz so glanzvoll verlief, wie die von Abramovic, forderte Geldzahlungen in der Höhe von 250.000 Euro. Ulay warf Abramovic vor, dass sie seinen Beitrag an den gemeinsamen Aktionen unterspielte. Zwei Jahre später söhnten sie sich wieder aus, es kam zum Dokumentarfilm "The Story of Marina Abramovic and Ulay".

"Mit großer Trauer habe ich heute vom Tod meines Freundes und Ex-Partners Ulay erfahren", schrieb Abramovic auf Instagram. Er sei ein außergewöhnlicher Künstler gewesen. "Es ist tröstlich zu wissen, dass seine Kunst und sein Vermächtnis für immer weiterleben werden."

Ulay war auch einer der Pioniere der "Body Art". Er hat auf Polaroid-Fotos Tätowierungen thematisiert, als diese Art des Körperschmucks noch ganz zur Welt der Matrosen und Gefangenen gehörte. Die Entwendung des Spitzwegs 1976 hielt das Künstlerpaar auf Fotos fest. Es platzierte den "Armen Poeten", eines der Lieblingsbilder von Diktator Adolf Hitler (1889-1945), in der Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Kreuzberg - und informierte den Direktor der Nationalgalerie, er könne das Bild nun in neuer Umgebung betrachten.(apa)