Sechs Frauen, sechs verschiedene Lebenslagen, Geschichten und Philosophien. Eine kämpft darum, in erster Linie als Mensch und nicht rein als dunkelhäutige Angehörige einer Minderheit anerkannt zu werden. Die andere balanciert Kind und Karriere und hat dabei ständig das Gefühl, keiner der beiden Verantwortungen in jenem Ausmaß gerecht werden zu können, in dem diese es bräuchten und auch verdienen würden.

"A Story About Respect": Musicalstar Tertia Botha verkörpert eine Frau zwischen Kind und Karriere. - © Leonard Prochazka
"A Story About Respect": Musicalstar Tertia Botha verkörpert eine Frau zwischen Kind und Karriere. - © Leonard Prochazka

Die dritte Frau lässt sich beim Betreten eines Restaurants gerne die Türe öffnen und aus dem Mantel helfen. Sie liebt es, sich von Männern beschützt zu fühlen, und kämpft gegen Vorurteile zumeist vonseiten anderer Frauen, die ihr Verhalten als Denunziation der Emanzipation betrachten. Die Vierte ist geschieden und packt Probleme an. Doch Männer, die Problemlösung als im Grunde ihren Job verstehen, empfinden sie als unweiblich. Die fünfte Frau wiederum findet ihre Rolle im Leben nicht. Ihr Selbstverständnis schwankt zwischen dem inneren Mädchen, das viel zu lernen hat, und ihrer realen Existenz als erfolgreiche Frau. Sie hat keine Beziehung und fühlt sich trotz ihrer beruflichen Leistungen unsicher in ihrem Dasein. Hingegen erlebt sich die Sechste als stark und gefestigt. Sie nimmt ihr Leben in die Hand, nimmt sich Männern gegenüber aber auch hin und wieder zurück, wenn es ihr angemessen erscheint.

Die sechs Freundinnen sind Figuren in einem Musical. Dennoch findet wohl jede Frau Teile von sich in ihnen. Was sie trotz ihrer unterschiedlichen Rollenverständnisse eint, ist ein Kampf für Gleichstellung, Gleichwertigkeit und die Möglichkeit, das Abenteuer Leben selbst zu gestalten. In einer Gesellschaft, in der die weibliche Hälfte der Menschheit nach wie vor den Großteil der Hausarbeit verrichtet, für die gleiche Arbeit weniger Geld verdient als die männliche und begrapscht wird, selbst wenn sie das gar nicht will, sehen die Personen im Stück die Notwendigkeit, für Respekt zu kämpfen - für sich als Frauen und Angehörige der Spezies Mensch.

"In den vergangenen Jahrzehnten haben Frauen zwar viele Rechte erlangt, aber man hat vergessen, ihnen die Pflichten abzunehmen", sagt der in Innsbruck geborene und in Wien tätige Schauspieler und Regisseur Peter Altmann. Die Unvereinbarkeiten zwischen den Rollen, die Frauen übernehmen (müssen), erzeugen Konflikte, die eine freie Entfaltung stören oder sogar verunmöglichen.

Um damit aufzuräumen, stehen sechs weibliche Musical-Stars in einer Uraufführung ab 20. August zwölf Mal auf der Bühne. "A Story About Respect" heißt das Stück, das Altmann zusammen mit der Schauspielerin und Stimmtrainerin Eva Maria Gintsberg konzipiert und geschrieben hat und im Sommer im Steinbruch St. Margarethen inszeniert. Die Story: Die sechs Frauen, alle Musicalsängerinnen, machen aus den Tagebüchern einer Feministin eine Revue. Sie werden daraufhin in eine Polit-Talkshow geladen. Dort kommt es zur Eskalation. Die Freundinnen werden gegenüber einem übergriffigen Politiker, der auch als Gast eingeladen ist, handgreiflich. Sie kommen vor Gericht.

In persönlichen Gesprächen erfährt der Richter mehr über ihre Vorstellungen und Schicksale. Der Austausch ermöglicht es ihm, zu verstehen, warum er selbst von seiner eigenen Frau verlassen wurde. Der Richter erkennt außerdem, welch menschliche Kraft unter Gleichberechtigten herrscht. Die Frauen laden ihn zu ihrer Revue ein. Die außergerichtliche Recherche solle ihm ein Gefühl für das richtige Urteil ermöglichen. Was dann passiert, ändert den Fortgang der Geschichte und mündet in einem gemeinsamen Kampf von Männern und Frauen für eine respektvolle Haltung der Menschen zueinander.

Kraft der Gleichberechtigung

"Das Thema geht uns alle an", betont Altmann. Daher ein Musical zu einer Debatte, die Sachbücher füllt. Zum einen spreche die darstellerische Form Probleme auf allgemein verständliche Art und Weise an. Zum anderen sei das Ziel eben kein reines Entertainment. Vielmehr sehe man sich in der Tradition eines Musiktheaters, das gesellschaftliche Probleme aufgreift und sie über die Gefühle näher bringt. Als Vorbild nennt Altmann Leonard Bernsteins "West Side Story". Die moderne Version von Romeo und Julia dreht sich im Kern um Klassen- und Rassenkonflikte. "Wir wollen unser Publikum nicht nur intellektuell, sondern auch emotional engagieren", erklärt der Regisseur. "Zur Gleichberechtigung wurde bereits viel erreicht, aber noch nicht alles. Das Thema soll nicht im Kopf hängen bleiben, sondern im Bauch."