Im 12. Jahrhundert als Wehranlage entstanden, wurden die Wiener Neustädter Kasematten im Zuge der Niederösterreichischen Landesausstellung 2019 als Veranstaltungsort neu gestaltet. Theatermacherin Anna Maria Krassnigg bespielt die beeindruckenden Räumlichkeiten derzeit mit dem Projekt "wortwiege". Nach vier Festivaljahren am idyllischen Thalhof in Reichenau an der Rax wechselt Krassnigg unter dem Übertitel "Bloody Crown" zum historischen Königsdrama.

Konzentrierte Wortgefechte

Der Veranstaltungsreigen beginnt mit einer Inszenierung von "König Johann", einer Bearbeitung des gleichnamigen Stückes von William Shakespeare durch Friedrich Dürrenmatt.

Bühnenbildner Andreas Lungenschmid setzt in die Mitte des langgezogenen Gewölbes einen Laufsteg. Das Publikum rundherum wird vom siebenköpfigen Ensemble als Volk ins Spiel miteinbezogen. Verhandelt wird die Geschichte der Familie Plantagenet, die Frage der Herrschaft über England und Frankreich und die Macht der katholischen Kirche im 12. Jahrhundert. In diese Verwicklungen gehört auch das Lösegeld für Richard Löwenherz, mit dem Leopold V. Wiener Neustadt erbaute.

Regisseurin Krassnigg spiegelt den allgegenwärtigen Populismus in der Brutalität einer vergangenen Zeit und setzt für ihre Inszenierung auf konzentrierte Wortgefechte. Horst Schily hadert als Johann mit seinem Schicksal. Das gibt visuell nicht viel her, entfaltet aber doch einen Sog. Gegen Ende erfolgt der Auftritt einer schillernden, detailliert gearbeiteten Figur: Isabella Wolf beeindruckt als eitler Kardinal. Die Macht der Kirche bleibt ungebrochen.