Der schwedische Filmschauspieler Max von Sydow ist am Sonntag, 8. März, im Alter von 90 Jahren gestorben. Er war der prägende Schauspieler von Ingmar-Bergman-Filmen wie "Das siebente Siegel" und "Die Stunde des Wolfs". Breiten Publikumsschichten bekannt wurde er als Pater Lankester Merrin im Horrorfilm "Der Exorzist".

Welch eine Physiognomie! Man sah Max von Sydow die Schweigsamkeit an. Kaum je kräuselte ein Lächeln seinen schmallippigen Mund. Hageres Gesicht, hagere Gestalt, stoischer Ausdruck: Max von Sydow war die Verkörperung all dessen, was man an Klischees über das Erscheinungsbild eines Schweden angehäuft hat.

Kein anderer Schauspieler konnte wie er allen Ausdruck in der Ausdruckslosigkeit seines Gesichts bündeln. Nur einem Max von Sydow war es gegeben, die Szene der Schachpartie in Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel" zu spielen. Nur ein Max von Sydow konnte in der "Stunde des Wolfs" desselben Regisseurs in einer der spannungsgeladensten Szenen der gesamten Filmgeschichte eine Minute zur Ewigkeit dehnen. Dass er breitesten Publikumsschichten ausgerechnet durch den Horrorstreifen "Der Exorzist" bekannt wurde, hat seinen Ruf als das Gesicht komplexer Autorenfilme nicht angekratzt. Zumal er auch den Pater Merrin mit der Max-von-Sydow‘schen Wortkargheit und mit seiner schauspielerischen Präsenz ausstattete: Wenn jemand den Dämon bezwingen kann, dann Max von Sydow.

Breite Palette an Rollen

Ohnedies hat Max von Sydow nie gezögert, auch Rollen in Filmen anzunehmen, die auf Publikumswirkung abzielten: Er spielte in "Flash Gordon", "Conan der Barbar", "Quo Vadis?" und sogar in Dario Argentos mindestens so blutigem wie konfusem Giallo "Sleepless". Er war James Bonds Gegenspieler Ernst Stavro Blofeld in "Sag niemals nie" mit Klaus Maria Brandauer als Maximilian Largo und Sean Connery zum letzten Mal als 007. Einmal wirkte Max von Sydow auch in der "Star Wars"-Serie mit: In "Erwachen der Macht" verkörperte er den Lor San Tekka. Im Cineasten-Gedächtnis bleibt Max von Sydow mit einer anderen Kategorie von Film verbunden: "Wilde Erdbeeren", "Das Gesicht", "Die Jungfrauenquelle", "Licht im Winter", "Schande" – Filme, die ihn ebenso bekannt machten, wie sie ihren Regisseur Ingmar Bergman ins Gedächtnis einschrieben.

Max von Sydow war auch der norwegische Schriftsteller Knut Hamsun, der sich mit einer Anklage wegen Kollaboration mit den Nationalsozialisten auseinandersetzen musste, und er war in der Paul-Gauguin-Biografie "Die Augen des Wolfes" der Schriftsteller August Strindberg. Max von Sydows letzter Film war die U-Boot-Tragödie "Kursk" von Thomas Vinterberg. Im österreichischen Fernsehen spielte er in Axel Cortis "Radetzkymarsch" den Baron Franz von Trotta.

Die Karriereanfänge des am 10. April 1929 in Lund als Carl Adolf von Sydow geborenen Schauspielers sind eng mit Bergman verknüpft. Sydows Vater war Professor für Ethnologie und skandinavische und irische Volksmusik an der Universität Lund, seine Mutter, Maria von Sydow war Lehrerin. Er erhielt seine Schauspielausbildung am Königlichen Dramatischen Theater ("Dramaten") in Stockholm. 1955 zog er nach Malmö, wo er Bergman kennenlernte und mit ihm in mehreren Theaterproduktionen zusammenarbeitete, ehe beide mit dem Film "Das siebente Siegel" ihren Durchbruch hatten. 1965 drehte Max von Sydow seinen ersten amerikanischen Film: In George Stevens’ "Die größte Geschichte aller Zeiten" spielte er Jesus Christus. Für "Pelle der Eroberer" und "Extrem laut & unglaublich nah" war Max von Sydow als Bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert, ohne den Preis letzten Endes zu erhalten.

Wer Filme synchronisiert sieht, verliert ein wesentliches Charakteristikum Max von Sydows, nämlich seine Stimme: Sie klingt rau und herb und ist doch ungewöhnlich modulationsfähig, wodurch es dem großen Schweiger des Kinos gelingt, in wenigen Worten weite Seelenlandschaften zu entwerfen. Nun ist diese Stimme für immer verstummt. Das Kino ist um eine seiner markantesten Gestalten ärmer geworden.