Wie ist es, in einem kleinen Schweizer Dorf als langlaufender (statt Ski oder Snowboard fahrender) Kelly-Family-Fan aufzuwachsen? Nicht leicht, bekennt Isabel Meili in ihren zweiten Comedy-Soloprogramm. Trotzdem wäre ihr eine Rückkehr der 90er Jahre willkommen. Weil damals alles viel einfacher war. Da konnte sie noch in ihren Träumen mit Pokémon die Welt retten und musste bloß darauf achten, dass ihr Tamagotchi nicht verhungerte. Vor allem aber macht ihr die Erkenntnis zu schaffen, dass sie an ihren einstigen Idolen heute sieht, wie sie selbst älter geworden ist.

Isabel Meili, ein Kind der 90er Jahre. - © www.grassmugg.com
Isabel Meili, ein Kind der 90er Jahre. - © www.grassmugg.com

Es wird also sehr nostalgisch bei der ausgebildeten Schweizer Beamtin Meili, die nun schon länger in Wien daheim ist und sich hier sprachlich hörbar assimiliert hat. Überhaupt switcht sie mühelos im Sekundentakt hin und her zwischen Gossenslang, Youtube-Quietschen, Bobo-Näseln, Piefkenesisch und Schwyzerdütsch, wenn sie nicht gerade singt - was bei ihr als erfahrener Musical-Darstellerin wirklich gut klingt. Musikalisch kommen die Jahrgänge 1980 ff auf ihre Kosten.

Single unter lauter Eheleuten

Inhaltlich fliegen zwar manche Kalauer etwas tief, doch dazwischen verbergen sich schon auch einige humoristische Juwele in ihrem Programm, das über weite Strecken ihre eigene Generation aufs Korn nimmt. Die Scheidungskinder von gestern, die heute alle nach der Reihe heiraten, während Isabel konsequent Single bleibt, mit allen gesellschaftlichen Folgen, die dieser Beziehungssatus nach sich zieht.

Und Meili findet viele Kleinigkeiten, über die sie sich echauffieren kann, die einem selbst nie eingefallen wären: etwa, dass zwar die Macher der mehrfach preisgekrönten TV-Serie "Game of Thrones" mit ihren blutrünstigen Gewaltdarstellungen ein Rekordpublikum (16,9 Millionen) erreichen konnten - aber in der "o.b."-Werbung immer noch blaue Flüssigkeit gezeigt ist. Auch sonst kennt sie keine Tabus und geht generell gerne unter die Gürtellinie. Jugendfrei ist das Programm jedenfalls nicht. Und natürlich bekommen auch die Bobos und unsoziale Social Media ihr Fett ab.

Frech, sympathisch und selbstbewusst unterhält die 33-Jährige ihr Publikum mit Tiraden, bei denen man wechselweise enthusiastisch zustimmen, beifällig nicken oder auch seinen Teil denken kann. Das, Wiedersehen (oder eher: Wiederhören) mit alten Bekannten aus der (oder doch dem?) "Bravo" macht jedenfalls Spaß; und dass Meili auch sich selbst nicht allzu ernst nimmt, ebenfalls.