Was bereits befürchtet worden ist, wurde am Donnerstag Klarheit: Auch die Salzburger Osterfestspiele werden heuer nicht stattfinden. Der Aufsichtsrat hat dies am Donnerstagnachmittag entschieden. Die Festspiele hätten am 4. April, also sehr knapp nach dem (vorläufigen) Ablauf des Epidemie-Erlasses der Regierung eröffnet werden sollen.

Igor Levit gibt abends "Hauskonzerte" auf Twitter. - © Peter Meisel
Igor Levit gibt abends "Hauskonzerte" auf Twitter. - © Peter Meisel

Alleine bei den Proben für die Hauptproduktion, der Oper "Don Carlo" von Giuseppe Verdi am 4. April, wären mehr als die per Erlass des Gesundheitsministeriums erlaubten 100 Personen auf der Bühne gestanden. Bei Arnold Schönbergs "Gurre-Lieder" sind gar mehr als 300 Personen involviert. "Das ist eine Anzahl von Mitwirkenden, die aus Sicht der Fürsorgepflicht der Festival-Geschäftsführer mehr als problematisch ist. Daher haben die Osterfestspiele ersucht, die Aufführungen zu untersagen", sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Auch der amtsärztliche Dienst habe eine Absage empfohlen. Viele Künstler würden zudem aus anderen Ländern kommen - auch aus Italien oder Südkorea, die besonders stark vom Coronavirus betroffen sind. Ein Teil der Besucher seien auch ältere Personen, die in den engen Auditorien einer besonderen Gefährdung ausgesetzt sind.

Tom Hanks infiziert

Zudem haben sich weitere Museen entschlossen, ihre Pforten vorübergehend zu schließen. So hat das Kunsthaus in Wien nun doch keinen Ausstellungsbetrieb mehr, ebenso die Oberösterreichischen Museen. Auch das Jüdische Museum Wien hat den Ausstellungsbetrieb ausgesetzt.

Auch international mehren sich die Schließungen von kulturellen Einrichtungen. In Madrid hat der Prado, der noch am Mittwoch nur Besucherzahlen beschränken wollte, für Besucher geschlossen. Die Semperoper in Dresden bleibt geschlossen, in Hamburg werden alle Veranstaltungen in staatlichen Theatern und Konzerthäusern untersagt.

Bei großen deutschen Medienhäusern werden bereits Mitarbeiter in häusliche Isolation geschickt: Axel Springer hat am Donnerstag nach Bekanntwerden eines Corona-Falls alle Mitarbeiter nach Haus geschickt. Auch Hollywood hat seinen ersten prominenten Corona-Fall: Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson haben sich mit Covid-19 infiziert. Auf seinem Twitter- und Instagram-Account schrieb Hanks, sie seien in Australien und hätten sich müde und fiebrig gefühlt, wie bei einer Erkältung. Sie hätten sich testen lassen und das Ergebnis sei positiv gewesen. Das Paar würde nun die Anweisungen der Gesundheitsbehörden befolgen, sich in Isolation begeben und "jeden Tag nehmen, wie er kommt". "Passt auf euch auf!", fügte Hanks hinzu.

"Hauskonzert" auf Twitter

Die existenziellen Ängste der freien Kulturschaffenden haben noch keine Antwort von der Politik bekommen. In der Zwischenzeit fordern österreichische Indie-Plattenlabels die ORF-Radios zur Art "Katastrophenhilfe" auf. Sie sollen den Anteil österreichischer Musik von Künstlern, die nun wochenlang nicht auftreten können, in ihren Programmen ab sofort verdoppeln. Die Bundestheater führen Gespräche mit den Sozialpartnern, um die Möglichkeit von Kurzarbeit auszuloten. Ihnen entgehen wegen des Veranstaltungsverbots rund 1,3 Millionen Euro Einnahmen pro Woche.

Der russische Starpianist Igor Levit lässt sich wegen Corona wiederum nicht vom Auftreten abbringen. Allerdings hält er sich an alle Vorsichtsmaßnahmen, denn er hat auf Twitter "Hauskonzerte" angekündigt. "Die Konzertsäle sind leer, gemeinsames Hören und Erleben von Musik ist nicht möglich. Das ist traurig, jedoch notwendig. Und gut so. Trotzdem möchte ich Musik weiter mit Euch teilen. Hören, erleben. So, wie es halt geht. Also probiere ich mal etwas aus: mein Hauskonzert. Das Publikum, das seid Ihr alle. Ich werde ab heute (Donnerstag, Anm.) Abend, 19:00 CET, wann immer ich kann, für Euch von meinem Zuhause aus, spielen. Per Livestream, hier auf Twitter. Was auf dem Programm steht? Das weiss ich noch nicht. Mal gucken."