Die Coronavirus-Krise wirkt sich längst auch massiv auf alle Theater aus. Die Grazer Bühnen sind keine Ausnahme: Schauspielhaus, Oper und Kindertheater Next Liberty beraten derzeit, wie der Betrieb weiterlaufen soll. Bis 3. April sind die Vorstellungen abgesagt, auch der Probenbetrieb wurde eingestellt - zumindest beinahe: Das Theater im Bahnhof (TiB) ist erfinderisch und probt per Videoübertragung.

"Ein leeres Theater ist ein trauriger Anblick. Besonders in einer Spielzeit, in der wir einen überwältigenden Publikumszuspruch erlebt haben. Ein leeres Theater soll aber nicht der Ausblick für die Zukunft bleiben. Daher planen mein Team und ich - mit Hilfe von allen digitalen Kommunikationsmitteln - den Spielplan für nächste Saison", erklärte Schauspiel-Intendantin Iris Laufenberg. "Berücksichtigt werden dabei unter anderem vier bereits weit geprobte Stücke der laufenden Spielzeit - Shakespeares "Macbeth", Thomas Köcks "dritte republik", die Bürgerinnenbühne "Zuhause ist ein Bauchgefühl" sowie die "Sterntagebücher" von Stanisław Lem. All diese Stücke könnten binnen vier Wochen, sobald wir wieder proben dürfen, Premiere feiern", sagte Laufenberg.

Weinberg-Oper abgesagt

In der Oper musste die Premiere von "Die Passagierin" von Mieczyslaw Weinberg abgesagt werden. Die Absage hat auch das Rahmenprogramm betroffen, wie beispielsweise die Verlegung von Stolpersteinen vor dem Opernhaus. Im Umfeld dieser Oper hätte auch eine konzertante Aufführung mit dem Titel "Und Friede auf Erden" mit Musik von Arnold Schönberg und Igor Strawinski stattfinden sollen, die nun ersatzlos gestrichen wurde. Das Ballett "Zum Sterben zu schön", das am 22. März Premiere gehabt hätte, könnte allerdings zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

 "Wir unterstützen die Maßnahmen der Bundesregierung. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellen so gut es geht auf Homeoffice um. Die notwendige Kommunikation erfolgt in einem Kernteam von vier bis fünf Personen, die über Internet und Telefon erfolgt", schilderte Next Liberty-Intendant Michael Schilhan den Umgang mit der Situation.

Video-Proben und Streaming

Erfinderisch ist man im TiB, wo ebenfalls Premieren wie "Oktoberfest" dem Virus zum Opfer fielen: Zusammenkünfte vermeidet man auch hier, aber die Proben werden über Video fortgesetzt: "Wir sind alle zuhause und spielen uns gegenseitig etwas vor", beschrieb es Pressesprecherin Eva Hofer. Diese Methode stößt aber bald an ihre Grenzen, also werde man kommende Woche eher auf Textlernen oder Schreiben umstellen. Um das Publikum trotzdem zu erreichen, setzt man auch hier auf Streaming: Ältere Produktionen wie "Knochen und Raketen", aber auch Neueres wie "Frauenturnen" oder "Sohn" werden in einigen Tagen über die Homepage des Theaters gratis zur Verfügung gestellt. (apa)