In den heimischen Kulturinstitutionen bereitet man sich auf eine Verlängerung der bis 3. April angeordneten Schließung wegen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor. "Ich glaube nicht, dass wir vor den Schülern anfangen werden", so Franz Patay, VBW-Geschäftsführer und Präsident des Wiener Bühnenvereins, am Dienstagvormittag zur APA. Derzeit soll der Unterricht am 15. April wieder starten.

"Ich wünsche mir sehr, dass die Maßnahmen greifen, aber der 3. April wird nicht halten, glaube ich", sagte Patay. Für die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) bezifferte er den bis dahin entstandenen Verlust auf 2,2 bis 2,5 Millionen Euro - "und da sind unsere Auslandsaktivitäten noch gar nicht einberechnet". In vielen Ländern liefen Lizenzproduktionen der VBW-Musicals bzw. würden Aufführungsserien vorbereitet. "Was damit passieren wird, lässt sich noch gar nicht abschätzen." Bei länger währenden Schließzeiten der Theater seien unterschiedliche Arbeitszeitmodelle für die 800 Mitarbeiter des Theaterkonzerns zu prüfen.

Hoffen auf rasche Entscheidung

Patay hofft auf rasche Entscheidungen der Regierung, wie es mit dem Verbot von Veranstaltungen weitergehe. "In unserem Betrieb haben wir lange Vorlaufzeiten. Wir können das nicht an- und ausknipsen wie ein Lichtschalter. So eine Maschinerie muss langsam hoch- oder runtergefahren werden. In dieser Hinsicht sind wir wie ein Supertanker." Er hoffe sehr, dass die nun installierten Unterstützungs-Fonds auch für die Institutionen des Kulturbetriebs zur Anwendung kommen, "denn es trifft uns sehr hart". In den Büros und Theatern der VBW (Theater an der Wien, Kammeroper, Ronacher und Raimund Theater) sei der Betrieb im Moment komplett hinuntergefahren. "Da gibt es derzeit nur jeweils einen Mitarbeiter, der darauf schaut, dass es nicht brennt..."

Wie Patay ist auch Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Christian Kircher bereits im Home-Office. Auch er bereitet sich in Telefonkonferenzen mit seinen Mitarbeitern auf Szenarien vor, die auch die Ausweitung der derzeitigen Schließzeiten miteinschließen. Bei insgesamt rund 2.300 Mitarbeitern ist der Konzern der wohl größte Arbeitgeber im Kulturbereich.

"Der Betrieb an allen drei Bühnen (Burgtheater, Wiener Staatsoper, Volksoper Wien) ist eingestellt, die MitarbeiterInnen der ART for ART Theaterservice GmbH (Kostüme, Bühnenbilder...) üben ihre Tätigkeit derzeit nicht aus - mit Ausnahme weniger Schlüsselkräfte wie IT, Feuerwehr etc.. BalletttänzerInnen, OrchestermusikerInnen, SchauspielerInnen führen ihrer künstlerischen Routine entsprechend ihre Proben- und Trainingstätigkeit für sich weiter aus", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA.

Kurzarbeit bei Bundestheatern?

Kircher beziffert den Einnahmenentgang auf rund 1,3 Millionen Euro, "d.h. allein für die Schließtage im Monat März betragen die Einnahmeneinbußen 4,2 Mio. Euro". Priorität aller Geschäftsführer, Direktoren und Betriebsräte sei "die Suche nach Lösungen, wie mit den Konsequenzen des ausgesetzten Spielbetriebs umgegangen werden kann. Gerade wurde ein Sondergesetz zu Kurzarbeit parlamentarisch beschlossen, das sicher stellt, dass in dieser schwierigen Situation die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Derzeit wird geprüft, für welche Dienstgruppen innerhalb der Österreichischen Bundestheater dieses Modell angewendet werden kann."

Festwochen prüfen verkürzte Variante

Bei den Wiener Festwochen, wo es Intendant Christophe Slagmuylder von einer Dienstreise aus Brasilien glücklich zurück nach Europa schaffte, ist man dagegen dabei zu prüfen, ob und in welchem Umfang, es Möglichkeiten gäbe, das Festival, das zwischen 15. Mai und 21. Juni 46 Produktionen angekündigt hat, doch stattfinden lassen zu können - etwa in reduzierter und verkürzter Form. "Die Entscheidung darüber, ob und wie etwas stattfinden kann, soll im Verlauf der kommenden Woche fallen", hieß es am Dienstagvormittag gegenüber der APA.

Indes werden auch deutlich pessimistischere Varianten geprüft. Eine Schließung für den kompletten Rest der bis Ende Juni laufenden Saison ist für Patay jedenfalls "ein Denkszenario". "Realistischerweise müssen wir von einer Ausdehnung der derzeit vorgesehenen Schließtage ausgehen", sagt auch Kircher. "Sollten wir bis zum Ende der Spielzeit, also bis Ende Juni, nicht spielen können, wären das Einnahmeneinbußen von insgesamt 21 Millionen Euro. Alle derzeitigen Maßnahmen, wie beispielsweise die Prüfung des Modells zur Kurzarbeit, sind auf eine längere Ausweitung der derzeitigen Anordnung ausgerichtet." (apa)