Der Intendant des Florentiner Opernhauses, Alexander Pereira, betrachtet die Sperre der prestigereichsten Theater europaweit als "furchtbaren Schlag" für die Kultur. "Viele Künstler, die monatelang für eine Aufführung proben, verlieren einen Vertrag nach dem anderen", meinte der Intendant im Gespräch.

Auch Pereiras Theater, das "Maggio musicale fiorentino" in Florenz, ist von der Theaterschließung betroffen. Pereira hält es für durchaus unwahrscheinlich, dass das ursprünglich vom 23. April bis zum 23. Juli vorgesehene Festival "Maggio musicale fiorentino" nach Plan beginnen kann. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass die im April und Mai geplanten Aufführungen stattfinden können. Vielleicht ändert sich die Lage später im Juni oder Juli. Wir arbeiten inzwischen an einer neuen Konzeption der Herbstsaison. Die am 10. Mai geplante Otello-Premiere unter dem Dirigat von Zubin Mehta müssen wir auf die Herbstsaison verschieben", sagte der Wiener Kulturmanager, der Mitte Dezember von der Scala nach Florenz gezogen ist.

"Ich hatte mir eigentlich meine ersten Monate hier in Florenz anders vorgestellt. Wir müssen aber jetzt schauen, dass wir den Menschen Mut machen. Wir können ihnen versichern, dass wir weiterplanen. Wir werden alles tun, damit das Theater in Florenz wieder zu neuem Leben erwacht. Ich glaube, dass die Menschen nach Kultur ausgehungert sein werden, wenn diese Phase zu Ende sein wird", sagte Pereira, der in seiner Wohnung in den Florentiner Hügeln unter Heimisolierung steht. "Ein Kapitän verlässt sein Schiff nicht", sagte der Intendant.

Pereira übermittelte der Stadt Florenz in einer Videobotschaft die Grüße Mehtas, der emeritierter Chefdirigent am toskanischen Opernhaus ist. "Er macht den Italienern Mut. Er ist der Stadt Florenz sehr nahe", sagte Pereira. Das Florentiner Opernhaus wird in Zeiten der Epidemie per Internet Aufführungen senden. "Wir wollen den Zuschauern somit weiterhin nahe sein", sagte der österreichische Kulturmanager.

Pereira dankte den vielen Florentinern, die nicht um die Rückerstattung bereits erworbener Karten für Aufführungen gebeten haben, die wegen der Coronavirus-Krise abgesagt werden musste. "Das ist eine Geste großer Freigiebigkeit. Ich kann versprechen, dass ich alles Erdenkliche tun werde, damit in diesem Theater sobald wie möglich wieder großartige Aufführungen inszeniert werden können", so Pereira.(apa)