Ein Sektor, in dem die aktuellen Einschränkungen im Zuge der Coronakrise unmittelbar durchschlagen, ist die freie Theaterszene sowie bei den Autoren. Sowohl die IG Freie Theater als auch die IG Autorinnen Autoren als Interessensvertretungen haben deshalb Umfragen unter ihren Mitgliedern initiiert.

Im Theaterbereich hat man dabei die Zeit bis zum Sommer in den Blick genommen - traditionell einkommensstärkste Phase der Künstlerinnen und Künstler. 75 Prozent der Vorstellungen wurde hier bereits abgesagt. Die Zahl der abgesagten Vorstellungen für die Betroffenen bewegten sich zwischen 25 und 85, wobei einzelne Spitzenreiter Ausfälle von bis zu 145 Aufführungen beklagen. Im Mittel lagen die Brutto-Einnahmeausfälle zwischen 175 und 350 Euro pro Vorstellung - mit Spitzenwerten von 800 Euro. Bei der Absage ganzer Produktionen bewegen sich die monatlichen Ausfallsumsätze mehrheitlich zwischen 2.000 und 3.300 Euro. Hinzu kommen wegbrechende Unterrichtstätigkeit oder Untervermietung von Proberäumen und Spielstätten.

Problem: Honorarzahlungen

Die Hauptbelastung derzeit besteht laut IG Freie Theater in der Unsicherheit, ob und wann es zur Auszahlung vereinbarter Honorare oder zu Hilfs- und Unterstützungszahlungen kommen kann. Man konzediert, dass die Ankündigung von Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne), Förderungen auszuzahlen, auch wenn Produktionen nicht stattfinden können, die Lage erleichtere. Besonders dramatisch sei jedoch die Situation für diejenigen, die gänzlich ohne Förderung operieren müssten.

Grundsätzlich appelliert die IG deshalb, von der Projektförderung hin zu einer Förderung künstlerischer Arbeitsprozesse zu kommen, wobei man eine Mindestlaufzeit von sechs Monaten im Auge hat. Dies würde ermöglichen, die Beteiligten mit der Aussicht auf Arbeitslosengeld anzustellen.

Ebenfalls für ihre Mitglieder in die Bresche sprang am Mittwoch die IG Autorinnen Autoren. Laut einer aktuellen Erhebung der Interessensvertretung unter 150 Mitgliedern beläuft sich deren Einnahmeausfall durch abgesagte Lesungen, Workshops, Reden oder Moderationen alleine für die Monate März und April auf rund 450.000 Euro. Rechne man diese Zahl auf die gesamte Gruppe der bis 8.000 Autoren Österreichs hoch, spreche man von einem Einkommensentgang im zweistelligen Millionenbereich, so IG-Geschäftsführer Gerhard Ruiss in einer Aussendung. Hierbei seien Tantiemenausfälle für nicht gespielte Aufführungen oder nicht verkaufte Bücher noch gar nicht berücksichtigt.

So liege mithin der entstandene Schaden für Autoren alleine um ein Mehrfaches über den in den Unterstützungsfonds für Kulturschaffende reservierten Mitteln. Gefordert sei deshalb ein Maßnahmenmix, zu dem etwa die Ausbezahlung aller vorgesehen Subventionen, die Aktivierung weiterer Fonds, steuerliche Erleichterungen oder die kostengünstigere sozialrechtliche Absicherung im Allgemeinen Sozialversicherungsrecht und in der Künstlersozialversicherung gehörten.

Privatstiftung will helfen

Im Zuge der Coronakrise gibt es von vielen Seiten Unterstützungserklärungen für Künstler und Kulturschaffende, die mit Einnahmeausfällen zu kämpfen haben. Wer nicht auf staatliche Unterstützung zähle könne, für den will die gemeinnützige Initiative "Stiftungen helfen Künstlern" da sein. Sie verspricht in einer Aussendung am Mittwoch "rasche und unbürokratische" Hilfe.

Die gemeinnützige Privatstiftung Philanthropie Österreich will mit ihren Partnern "einen Beitrag dafür leisten, dass Existenzen gesichert und die kulturelle Vielfalt hierzulande erhalten bleibt", wie es heißt. "Kunstschaffende sind Trapezartisten ohne Sicherungsseil. Umso wichtiger ist es, ihnen so viel Unterstützung wie nur möglich zukommen zu lassen", wird Schriftstellerin Julya Rabinowich zitiert, die die Stiftung ebenso unterstützt wie Opernsängerin Angelika Kirchschlager, der frühere Kulturminister Josef Ostermayer oder Volkstheater-Direktorin Anna Badora.

Zudem ruft man weitere Stiftungen auf, ebenfalls einen Beitrag zu leisten und sich der Initiative anzuschließen. Anträge können jene kulturschaffenden Einzelpersonen stellen, die keinen Anspruch auf Zuwendungen aus dem Härtefallfonds oder dem Künstler-Sozialversicherungsfonds haben.Außerdem hat die Philanthropie Österreich ein Spendenkonto für Künstler eingerichtet. (apa)