Amanda Piña zählt zu jenen Künstlern, deren Aufführungenaufgrund des Coronaviruses abgesagt wurden. Die mexikanisch-chilenisch-österreichische Choreografin und Tänzerin beschäftigt sich in ihrer Performance-Reihe "Endangered Human Movements" bereits seit 2014 mit der Entkolonialisierung von Kunst, wobei sie nicht westliche Referenzen und Perspektiven in ihren zeitgenössischen Performances verarbeitet. Ihr jüngstes Projekt "Climatic Dances" wäre heute, 26. März, im Wiener Tanzquartier uraufgeführt worden und ist thematisch eng mit der jetzigen Krise verbunden.

Die mexikanisch-chilenisch-österreichische Performerin Amanda Pina sorgt sich um die freischaffenden Künstler, die keine Förderungen erhalten.
 - © Theresa Rauter
Die mexikanisch-chilenisch-österreichische Performerin Amanda Pina sorgt sich um die freischaffenden Künstler, die keine Förderungen erhalten.
- © Theresa Rauter

"Es ist eine äußerst delikate und prekäre Situation für alle freien Künstler", sagt Piña im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Gerade aus Helsinki zurückgekehrt, wollten viele ihrer Performer in ihre Heimatländer zurück. Das Tanzquartier Wien war aufgrund der Verordnung schon geschlossen. "Wir stecken mitten in den Vorbereitungen für eine Produktion, die Ende März Premiere haben sollte", so die Performerin. Das Problem sei, dass sie mit diesem Werk etwa zu Kunstenfestivaldesarts in Brüssel und zu Theater der Welt – heuer in Düsseldorf – eingeladen wurde. "Das sind richtig große Festivals. Vermutlich werden diese Veranstaltungen auch abgesagt werden und dann wird es so richtig schwierig für uns. Unser Ziel ist es, zwei neue Arbeiten pro Jahr zu produzieren und mir ist noch nicht klar, wie wir das im Herbst schaffen werden."

Beunruhigende Situation

Finanzielle Sorgen macht sich die Choreografin aber weniger: "Wir haben viele, viele Jahre daran gearbeitet, um auf ein Niveau zu kommen, sodass wir von der Stadt Wien gefördert werden. Ich bin aber sehr beunruhigt aufgrund der Absagen für all die freischaffenden Künstler, die ohne Unterstützungen arbeiten. Wir haben eine gewisse Sicherheit aufgrund der Förderung, aber viele andere nicht."

Umdenken gefragt

Freilich wird auch Amanda Piña aus ihrer künstlerischen Routine herausgedrängt, auch das Training entfällt. Den Bezug zu ihrer Kunst verliert sie dennoch nicht, denn diese Krise verlangt nun ein Umdenken, mit dem sie sich schon länger auseinandersetzt und immer wieder in ihr Schaffen einfließen lässt. "Das Virus hat uns etwas gebracht, was wir eigentlich auch ohne hätten tun sollen, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen: Da geht es nicht nur um CO2, sondern es ist ein komplettes Umdenken notwendig. Das wäre auch Thema der Performance gewesen", sagt Piña. Wir sollten die Zeit jetzt nutzen, um darüber nachzudenken, was wir wirklich brauchen. "Denn wir müssen alles herunterfahren." Durch das Virus seien wir gezwungen zu stoppen. Dadurch werde sich vieles verändern. "Wir konsumieren zu viel, die Hälfte von allem würde uns auch reichen. Wir müssen uns um das Dasein, unserer Familie, unserer Natur kümmern", ist die Performerin besorgt und hofft, dass dies nun vielen bewusst werde. Ihr Credo ist "Sumak kawsay", ein Lebenskonzept der indigenen Völker des Andenraumes, wo auch ihre Mutter lebt: "Es ist das Konzept eines guten Lebens, das nicht aus Anhäufung von immer mehr und mehr besteht. Das hat nichts mit Befriedigung zu tun, und jene Menschen, die dem Turbokapitalismus folgen, sind auch keine glücklicheren Menschen", ist Piña überzeugt.

Sieht die Künstlerin eine Gefahr darin, dass die Menschheit nach der Krise schnell wieder vergessen hat, was ihr währenddessen bewusst geworden ist? "Für mich auf jeden Fall nicht. Und wenn ich die Prognosen sehe, was der Klimawandel in Lateinamerika für Folgen hat . . . sicherlich nicht."