Auch die Wiener Festwochen, die eigentlich am 15. Mai beginnen sollten, reagieren nun auf die Einschränkungen durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus. "Das Festival, wie wir es realisieren wollten, kann in der geplanten Form nicht stattfinden", hieß es heute in einer Aussendung. "Derzeit untersuchen wir verschiedene Strategien, wie das Programm noch gerettet werden könnte."

Durch die Beschränkungen seien "Proben abgesagt, Reisen nicht durchführbar und auch eine Vielzahl weiterer Festival-Vorbereitungen nicht oder nur eingeschränkt möglich". Da die Dauer der Maßnahmen nicht abzuschätzen sei, "erscheint es uns wichtig, immer flexibel auf Veränderungen bzw. die aktuelle Situation zu reagieren. Das bedeutet, dass jede Produktion bzw. Veranstaltung eingehend geprüft wird, um abzuklären, ob, wann und in welcher Form Möglichkeiten für deren Umsetzung vorhanden sind." In Hinblick auf die vielen bereits getroffenen Vorbereitungen, "wünschen wir uns sehr, dass zumindest Teile davon das kulturelle Programm der Stadt noch 2020 bereichern".


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Wiener Festwochen 

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Verschiebung in den Herbst nicht möglich

Die Planungen zielten nicht auf eine ganze oder teilweise Verlagerung des Programms in den virtuellen Raum, sondern auf die Verwirklichung von Teilen des Programms nach Wegfall der Ausgangsbeschränkungen zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr, hieß es auf Nachfrage der APA. Eine Gesamt-Verschiebung auf den Herbst käme aus produktionstechnischen Gründen nicht infrage. Bis nach Ostern wolle man vorerst die Entwicklung abwarten und dann neu bewerten.

"In der Vielfalt der für das Festival konzipierten künstlerischen Projekte finden sich viele, die die dringende Notwendigkeit einer Transformation unserer Lebensweise in den Fokus stellen: Damit Zukunft möglich ist, braucht es Veränderung. Heute müssen wir akzeptieren, dass jenes Festival, das wir realisieren wollten, nicht stattfinden wird, zumindest nicht in seiner ursprünglich konzipierten Form", wird Intendant Christophe Slagmuylder in der Aussendung zitiert. Es bleibe "keine andere Wahl als das Festival, das wir realisieren wollten, in Frage zu stellen und neu zu erfinden". Derzeit stünden bei 21 der 28 vom Festival koproduzierten künstlerischen Arbeiten die Premieren noch aus. "Derzeit können diese Stücke nicht geprobt werden, und es ist unmöglich, all die Vorarbeit zu leisten, die dafür notwendig ist, damit sie im Mai/Juni 2020 stattfinden können. Wir sind ein internationales Festival, doch die meisten in unser Programm involvierten Künstler*innen können in den kommenden Wochen oder Monaten womöglich nicht reisen."

Das Programm der Wiener Festwochen 2020 "wurde als Ganzes konzipiert, als Gesamtpartitur, die in dieser Form leider nicht stattfinden kann", so der Intendant. "Daher überlegen wir uns Möglichkeiten, mit dem Publikum kleinere oder größere 'Gesten' zu teilen, Auszüge aus der Partitur, die für die aktuelle Situation von spezieller Relevanz sein könnten. Aber das liegt nicht allein in unserer Hand."

Bregenzer Festspiele weiter "durchaus optimistisch"

Die Bregenzer Festspiele gehen weiter davon aus, dass das Festival im Sommer planmäßig stattfinden kann. Die Situation und ihre weitere Entwicklung seien zwar nur grob abschätzbar, aber man sei weiterhin "durchaus optimistisch", so Pressesprecher Axel Renner. Als "erfreuliches Signal des Marktes" bewertete Renner die Tatsache, dass weiter Tickets gebucht würden, wenn auch weniger.

Der Vorverkauf laufe für alle Veranstaltungen weiter, der Spielplan sei trotz der Coronakrise nach wie vor aufrecht. "Einige wenige Änderungen" seien möglich, derzeit aber nicht vorgesehen. Anders als etwa die Salzburger Festspiele habe man sich keine offizielle Deadline gesetzt, zu der man entscheiden müsse, ob gespielt werden kann oder nicht. Man sei in einer ganz anderen Situation, habe deutlich weniger Zeitdruck. Vieles werde auch davon abhängen, welche Einschränkungen in den Herkunftsländern der Künstler, etwa zu Probenbeginn Mitte Juni, gelten, sagte Renner.

Das große Glück sei, dass man sich in einem Jahr mit einer Wiederaufnahme als Spiel auf dem See befinde. "Dass 'Rigoletto' sozusagen nur aus dem Winterschlaf geweckt werden muss, verschafft uns einen Zeitvorteil", erklärte Renner. Man habe so deutlich kürzere Vorbereitungszeiten als in einem Premierenjahr, etwa was Technik des Bühnenbilds und Regie angehe. Auch die Probenzeiten sind laut Renner kürzer, man kann also kurzfristiger reagieren.

Im Hintergrund laufen wie immer bereits die Vorbereitungen für das kommende Jahr, in dem Puccinis "Madame Butterfly" am See Premiere feiern soll. "Auswirkungen auf die nächste Seeproduktion können sich ergeben, für eine Einschätzung ist es da aber noch zu früh", so der Pressesprecher, der derzeit eine Anfragenzahl "wie kurz vor der Premiere" zu bewältigen hat. Während man mit dem Großteil der Belegschaft auf Sparflamme fahre, gebe es in der Innen-und Außenkommunikation deutlich mehr zu tun.

(S E R V I C E - www.festwochen.at)