Zehn Tage nach Bekanntgabe seiner Erkrankung am Coronavirus hat Plácido Domingo eine frohe Botschaft für seine Fans: Er habe seinen Klinikaufenthalt beendet, logiere nun wieder in seinem Haus im mexikanischen Badeort Acapulco und fühle sich wohl, teilte der 79-Jährige via Facebook mit. Die Infektion sei früh erkannt worden, weil Domingo aufgrund anderer Erkrankungen unter ärztlicher Beobachtung stünde – dies habe sich als nützlich erwiesen. Der spanische Opernstar rief seine Fans auf, die behördlichen Vorbeugungsmaßnahmen zu beachten und tunlichst zu Hause zu bleiben.

Halbe Million Dollar für bedrängte Künstler

Zudem hat Domingo ein leidiges Kapitel abgeschlossen: Er ist aus der US-amerikanischen Opernkünstler-Gewerkschaft AGMA ausgetreten und spendet eine halbe Million Dollar für wohltätige Zwecke. Zur Erinnerung: Die AGMA hatte die Belästigungsvorwürfe gegen den Jahrhundertsänger untersucht und war in ihren Erhebungen zu dem Schluss gelangt, dass die Anschuldigungen glaubhaft seien. Daraufhin einigten sich AGMA und Domingo laut Zeitungsberichten auf eine Übereinkunft: Der Weltstar sollte eine erkleckliche Summe spenden, die Gewerkschaft würde dafür auf weitere Schritte verzichten. Diese Maßnahmen hätten sich ohnedies schwer realisieren lassen. Die Gewerkschaft hätte ein Disziplinarverfahren anberaumen und Zeugen befragen müssen – ob diese erschienen wären, ist angesichts der heiklen Materie allerdings ungewiss. Die gütliche Einigung mit Domingo platzte Anfang März allerdings unverhofft: Ein führendes Mitglied der Gewerkschaft informierte die Nachrichtenagentur Associated Press über Details des Untersuchungsberichts und tadelte die geplante Zahlung der Sänger-Ikone als "Quid pro quo".

Mitte März hat Domingo dann wieder das Heft in die Hand genommen: Er verkündete seinen Austritt aus der Gewerkschaft sowie die Spende einer halben Million Dollar (rund 456.00 Euro) für einen Fonds für Opernmitarbeiter in Krisenzeiten und Programme zur Bekämpfung von sexueller Belästigung.

Untersuchung in L.A. abgeschlossen

Die Vorwürfe gegen Domingo reichen bis in die 1980er Jahren zurück. Der Spanier soll seine Macht als Bühnenstar, aber auch als Leiter der Opernhäuser von Washington und Los Angeles zur Anbahnung intimer Begegnungen missbraucht haben, lautet der Tenor. Im Untersuchungsbericht der AGMA bezeugen laut Medien 27 Personen, entweder Opfer unangemessenen Verhaltens von Domingo geworden zu sein oder solches beobachtet zu haben. Auch das Opernhaus von Los Angeles hat eine Untersuchung eingeleitet und diese nun abgeschlossen. Der Bericht brachte zehn Vorwürfe unpassenden Verhaltens zutage; der Vorwurf, Domingo habe Bühnen-Engagements von sexuellen Gefälligkeiten abhängig gemacht, ließ sich allerdings nicht erhärten.