Rosalind Elias hat in Opern von Wagner und Verdi, Puccini und Richard Strauss große Rollen gesungen. Aber die international renommierte Mezzosopranistin steht wie kaum eine andere Sängerin ihres Bekanntheitsgrades für das zeitgenössische Musikschaffen der USA. Rosalind Elias ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 3. Mai im Alter von 90 Jahren in New York gestorben.

Ihr Name ist untrennbar verbunden mit der Uraufführung der Oper "Vanessa" von Samuel Barber an der Metropolitan Opera in New York im Jahr 1958. Die Produktion mit Dimitri Mitropulos als Dirigent, Eleanor Steber in der ursprünglich für Maria Callas gedachten Titelrolle und Nicolai Gedda als Anatol wurde auch bei den Salzburger Festspielen gezeigt. Rosalind Elias sang die Rolle von Vanessas Schwester Erika. Später trat sie auch in der Rolle der Alten Baronin auf.

Rosalind Elias, am 13. März 1930 in Lowell (Massachusetts) geboren, entstammte einer libanesisch-amerikanischen Familie. 1948 debütierte sie an der New England Opera, noch ehe sie ihr Gesangsstudium beendet hatte.

Am 23. Februar 1954 debütierte sie an der MET als Grimgerde in Wagners "Die Walküre". Ab diesem Zeitpunkt gehörte sie zum Ensemble, bald auch zu den international gefragten Stars des Hauses. So sang sie etwa 1972 an der Wiener Staatsoper die Titelrolle von Bizets "Carmen". 1963 gehörte sie zu den Solisten einer Gedenkaufführung des Verdi-Requiems kurz nach der Ermordung von John F. Kennedy.

Breites Repertoire

Obwohl Rosalind Elias ein denkbar großes Repertoire an klassischen Opernrollen (wie die Marschallin im "Rosenkavalier", Mrs. Quickly in "Falstaff", Háta in "Die verkaufte Braut", Herodias in "Salome" oder  Amneris in "Aida") beherrschte, ist ihr Name, vielleicht auch durch ihre Rolle bei der "Vanessa"-Uraufführung, speziell mit dem zeitgenössischen Opernschaffen der USA verbunden. Beispielsweise sang sie die Charmian in der Uraufführung von Barbers "Antony and Cleopatra" zur Einweihung des neuen MET-Gebäudes, die Bathsheba in der TV-Premiere von Ezra Ladermans Fernsehoper "And David Wept" und die Desideria in Gian Carlo Menottis "The Saint of Bleecker Street".

Auch in Musical-Rollen glänzte Rosalind Elias. Speziell die Werke Stephen Sondheims hatten es ihr angetan: Sie trat auf als Mrs. Lovett in "Sweeney Todd", als Madame Armfeldt in "A Little Night Music" und als Heidi Schiller in "Follies". Ihr Italien-Debüt gab sie in Leonard Bernsteins Operette "Candide". Gelegentlich inszenierte Rosalind Elias auch, etwa "Carmen" in Cincinnati.

Rosalind Elias besaß einen waunderbar warm timbrierten Mezzosopran, sie phrasierte makellos und intelligent - und sie war zu einer Zeit, als viele Sängerinnen und Sänger ihre Rollen noch mit viel Handgestik an der Rampe absolvierten, eine Vollblut-Schauspielerin. In allen ihren Rollen war sie glaubwürdig. Sie ließ durch ihre Präsenz und Darstellungskunst vergessen, dass Oper im Grund genommen eine unnatürliche Form der Bühnenkunst ist und überzeugte dennoch nicht minder durch ihre vokale Gestaltung. Sie vermittelte ihre Überzeugung von den Werken, die sie interpretierte - und überzeugte.