Einzeln und mit Maske betreten die Journalisten das Theater in der Josefstadt, um den Sicherheitsabstand zu wahren, wurden Platzkarten verteilt, 60 Personen sitzen im Zuschauerraum.

Programmatisch eröffnet Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger die Spielplanpräsentation für eine Saison, von der niemand weiß, ob und unter welchen Bedingungen sie überhaupt stattfinden wird: "Kunst und Kultur sind kein Luxus, sondern Eckpfeiler der Demokratie", so Föttinger, der den Umgang der Bundesregierung mit Kunstschaffenden heftig kritisiert. "Es braucht die Schneid’, um klare Ansagen zu machen", sagt er im Hinblick auf die bisher vagen Äußerungen der Regierung. "Die Zeit des Lavierens muss vorbei sein."

In dieser prekären Situation präsentiert die Josefstadt einen ambitionierten Spielplan mit sechs Uraufführungen, darunter ein Auftragswerk von Thomas Arzt - "Leben und Sterben in Wien", das sich mit der Zwischenkriegszeit auseinandersetzt - sowie ein noch namenloses Stück, das die gegenwärtige Corona-Krise thematisiert. Mit "Rechnitz (Der Würgeengel)" wird erstmals ein Text von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gespielt.

Einige Premieren der laufenden Spielzeit, die wegen der Theaterschließungen nicht mehr gezeigt werden konnten, werden in die nächste Saison geschoben, darunter Christoper Hamptons Zweig-Adaption "Geheimnis einer Unbekannten" und Peter Turrinis jüngstes Stück "Gemeinsam ist Alzheimer schöner".

Wenn alles nach Plan läuft, wird Claus Peymann mit Thomas Bernhards Dramoletten "Der deutsche Mittagstisch" die nächste Spielzeit eröffnen. Wunschtermin wäre der 17. September. Ob das Premierendatum hält oder nicht, lässt sich derzeit freilich nicht mit Gewissheit sagen.

Milliarde für die Kunst

"Diese Pandemie ist eine Zumutung für die Freiheit der Kunst", so Föttinger und er fährt fort: "Diese Bundesregierung ist eine Zumutung für die österreichische Kulturnation." Müsste die Bühne die derzeit geltenden Abstandsregeln einhalten, würde man vor etwa 170 Zuschauern spielen, das käme einer Auslastung von 27 Prozent gleich. Für das Privattheater, das einen hohen Eigendeckungsgrad erwirtschaftet, wäre das ein finanzielles Desaster. Föttinger: "Unser Abonnentensystem würde kollabieren."

Bis zum Aufführungsverbot am 10. März betrug die Auslastung 89 Prozent, danach mussten 250 Vorstellungen abgesagt werden. "Wenn wir heute eine Bilanz vorlegen müssten", so Stiftungsvorstand Günter Rhomberg, "müssten wir Konkurs anmelden."

Es geht daher auch um den Fortbestand der Bühne, wenn Direktor Föttinger die Bundesregierung in die Pflicht nimmt, von der es bisher zu Kunst und Kultur nur Halbsätze gegeben habe: "Sie, Herr Bundeskanzler Sebastian Kurz, müssen sich zu dieser Kulturnation bekennen", so Föttinger, "Sie müssen uns einen Rettungsschirm aufspannen, der uns sicher und nachhaltig durch diese Krise bringt." Der Intendant spricht dabei etwa von einer Milliarde für Kunst und Kultur.

Das Schlusswort richtet Föttinger erneut direkt an Bundeskanzler Sebastian Kurz: "Wenn Ihnen Theater, wenn Ihnen Kunst und Kultur irgendetwas wert ist, dann müssen wir das jetzt von Ihnen hören. Vergessen Sie Ihre Umfragewerte und handeln Sie jetzt!"