"Kindeswohlgefährdung durch physische und psychische Misshandlung, emotionale Vernachlässigung, Vernachlässigung der Gesundheitsfürsorge sowie der Fürsorge- und Aufsichtspflicht", kritisieren Experten die staatliche Berliner Ballettschule. Es sind desaströse Vorwürfe gegen eine der renommierten Ballettschulen in Europa, und sie lesen sich leider als Déjà-vu: Im Frühjahr letzten Jahres wurden ähnliche Vorwürfe an die Wiener Ballettakademie laut mit der Folge, dass der designierte Staatsballettchef Martin Schläpfer nun bis Schulstart im September mit einer Expertengruppe aus renommierten internationalen Pädagogen vehemente Verbesserungen erarbeitet.

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In Berlin wurde eine Clearingstelle eingerichtet, die nun einen Zwischenbericht veröffentlichte. Bisher haben der Pädagoge Arthur Kröhnert, langjähriger Bundesgeschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren, und die Psychologin Elke Nowotny, Ex-Vorstandsmitglied des Kinderschutz-Zentrum Berlin, 108 Gespräche oder E-Mailwechsel mit aktuellen oder ehemaligen Schülern, Eltern und Lehrern geführt. Insgesamt hatten sich 203 Menschen an die von der Bildungsverwaltung im Februar eingesetzte unabhängige Clearingstelle gewandt.

Anschreien und Übergriffe

Kröhnert und Nowotny berichteten von körperlichen Übergriffen, emotionaler und psychischer Gewalt wie "Anschreien, Beschimpfen, Beschämen des Körpers und der Leistung, Bagatellisieren, Drohen", aber auch von sexuellen Grenzüberschreitungen und "sexualisierten Äußerungen durch Fachkräfte". Ursache sei etwa ein "traditionell autokratisches Führungsprinzip" in einem geschlossenen System Schule. Zuvor hatte bereits eine Expertenkommission eine "Kultur der Angst" an der Schule festgestellt. Beide Kommissionen wollen bis Herbst abschließende Berichte vorlegen.

Der Schulleiter und der Künstlerische Leiter der Ballettschule waren im Zuge der Untersuchungen der zunächst anonymen Vorwürfe vom Dienst freigestellt worden. In Stellungnahmen sprachen sie von "Verleumdungen, Falschbehauptungen und Anschuldigungen", die kursierten.(vf)