In einer "komischen Situation" findet sich nach den heutigen Ankündigungen das Theater an der Gumpendorfer Straße wieder. Die schrittweise Öffnung ab 29. Mai hat TAG-Leiter Gernot Plass überrascht. "Aufgrund der etwas widersprüchlichen Kommunikationspolitik der Regierung hatten wir angenommen, dass wir bis zum 31. August geschlossen haben." Auch dem Schauspielhaus Wien geht es ähnlich.

Da man sich im TAG für einen vorgezogenen Lichtumbau im Theater entschieden habe, liege das Haus nun "auf dem OP-Tisch mit offenem Herzen". "Wir sind nicht fertig und gerüstet, ab 29. Mai einen Spielbetrieb aufzunehmen. Außerdem verbietet man ja auch das Proben bis dahin. Auch wenn es Wiederaufnahmen wären, geht das nicht", so Plass. "Das sind genau die Probleme: den Entscheidungsträgern zu vermitteln, was ein Theaterbetrieb bedeutet." Immerhin sei er nun hoffnungsvoller, was den Spielbetrieb im Herbst betrifft. "Zumindest ist eine Vision da", so der Theaterleiter, der aufgrund der Fortzahlungen der Fördergeber zumindest alle Mitarbeiter weiterhin bezahlen konnte und auch Abschlagszahlungen für freie Mitarbeiter leisten konnte. Dennoch werde sich das Minus bis zum Herbst auf rund 125.000 Euro belaufen, weswegen man auf den NPO-Fonds hofft.

Abstandsregel auf der Bühne?

Die "große Frage" für das Theater sei aber, inwiefern die 1-Meter-Abstandsregel auch auf der Bühne gelten werde. "Wenn die nicht fällt, sehe ich keinen Sinn, Theater zu spielen." Auch der Publikumsraum wäre bei diesen Regelungen sehr leer, da man um jeden Besucher fünf leere Plätze planen müsste. "Wie stellen sie sich diesen Betrieb vor? Das ist eine Science-Fiction-Lösung." Man werde zwar auch vor sehr locker gesetztem Publikum spielen, "aber ich stelle es mir sehr spooky vor". Die heute zurückgetretene Kulturstaatssekretärin habe ihm "immer ein bissl leid getan". Eine Politikerin müsse nicht unmittelbar von dem Metier, über das sie entscheidet, eine Ahnung haben. Dafür habe sie Beraterstäbe. Für Plass ist klar: "Da haben die Teams um sie herum versagt." Kogler müsste künftig als Parteichef der Grünen "mehr einfordern und Gelder vom Finanzminister freischlagen." Die Kultur sei bisher stiefmütterlich behandelt worden. "Und die Grünen machen auch nicht viel, dass das nicht passiert."

Kollege Tomas Schweigen, Leiter des Schauspielhauses Wien, nannte die Lockerungen der Maßnahmen und "die Aussicht auf längst überfällige konkrete diesbezügliche Ansagen seitens der Politik natürlich sehr erfreulich", wie er auf APA-Anfrage sagte. "Aber die angekündigte Möglichkeit, bereits ab Ende Mai wieder spielen zu können, trifft uns alle natürlich sehr überraschend und unvorbereitet." Theater mit Repertoirebetrieb würden hier im Vorteil sein, das Schauspielhaus ist hingegen ein Ensuite-Betrieb und könne nicht einfach "alte" Repertoire-Produktionen hervorholen und kurzfristig ansetzen. "Die Proben für unsere neuen Produktionen wurden jäh unterbrochen und dürfen bis Ende Mai auch nicht aufgenommen werden. Wir haben deshalb keinen funktionierenden Spielplan."

Schauspielhaus Wien wartet Details ab

Hinzu komme, dass man in wochenlangem Ringen ein neues Notbudget geschnürt habe, das allen 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den zahlreichen freischaffenden Künstlern ihr finanzielles Auskommen sichern soll. Dies sei ohne Inanspruchnahme von zusätzlichen Ausfallsentschädigungen und ohne Kurzarbeit gelungen. "Wir haben uns vielfach bemüht, auf konstruktive Art in mögliche Maßnahmen der Lockerung einzubringen, aber wir haben uns nicht auf Versprechungen oder in Aussicht gestellte Entschädigungsleistungen verlassen, sondern so schnell wie möglich versucht, aus eigener Kraft einen (auch finanziellen) Notfallplan zu entwickeln, was meinem kaufmännischen Leiter und mir glücklicherweise gelungen ist."

Den Spielbetrieb früher als geplant (also vor dem Herbst) hochzufahren, koste aber zusätzliches Geld, auch wenn man Wiederaufnahmen vorhandener Produktionen disponieren würde. "Dieses Geld ist in unserem neuen Spar-Budget nicht vorhanden und wird durch verminderte Einnahmen bei notwendiger Reduzierung der Zuschauerkapazität auf keinen Fall eingespielt werden können." Man werde die entsprechenden Erlässe und Details abwarten müssen, um diesbezügliche Entscheidungen zu treffen.

Was die Nachfolge Lunaceks betrifft, wäre es für Schweigen nun "umso wichtiger, dass jetzt möglichst schnell jemand mit geeigneter Expertise folgt. Eine Nachfolgerin, die sich nicht lange einarbeiten muss und Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse bereits mitbringt." Insofern wäre die mehrfach ins Gespräch gebrachte Andrea Mayer (vormals Ecker) "zumindest eine denkbare Kandidatin". (apa)