Was tun, dass die Zuschauer in den Corona-Zeiten unter den Sicherheitsbedingungen des Abstandhaltens dennoch ins Theater gehen können? Das Berliner Ensemble hat eine so einfache wie logische Lösung gefunden: Es baut den Zuschauerraum um.

Das Berliner Ensemble bereitet sich auf eine ungewöhnliche Spielzeit vor. Mit Olga Grjasnowas "Gott ist nicht schüchtern" soll die neue Saison am 4. September eröffnet werden - vorausgesetzt, dass Theater in der deutschen Hauptstadt dann wieder öffnen dürfen. "Ich verbreite aus Überzeugung Optimismus", sagt Intendant Oliver Reese.

Sitzreihen ausgebaut

Im Haus sind erste Sitzreihen ausgebaut, im großen Saal könnten noch rund 200 von 700 Plätzen besetzt werden. Abstand halten sollen auch Schauspieler. "Das, was nicht passt, wird auch nicht passend gemacht", sagte Reese. Manche Planungen müsse man verschieben, weil sie unter den Bedingungen nicht möglich seien.

Bundesweit hatten Theater schließen müssen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Im neuen Spielplan des Berliner Ensembles stehen etwa Ferdinand von Schirachs neues Theaterstück "Gott" über Sterbehilfe, Henrik Ibsens "Gespenster" in der Regie von Mateja Koleznik und "Schwarzwasser" von Elfriede Jelinek.

Nachgeholt werden soll auch die Premiere von "Fabian". Regisseur Frank Castorf hat sich den Roman von Erich Kästner vorgenommen. Die Proben waren wegen der Pandemie unterbrochen worden. Er sei natürlich nicht froh, wenn im November noch immer jede zweite Reihe ausgebaut bleiben müsse, sagte Reese. Bei bestimmt fünf Stunden werde der Zuschauer aber vielleicht "sehr dankbar" sein über die Beinfreiheit.

Brecht im Jänner

Im Jänner 2021 soll Barrie Koskys Neuinszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" erstmals laufen. Einige ältere Inszenierungen aus dem Repertoire werden vorerst nicht gespielt, etwa Michael Thalheimers körperlicher "Macbeth": "Man bespringt sich, man leckt sich ab", sagte Reese. Es sei blutig und feucht. "Das hat keinen Sinn. Das möchte man nicht trocken legen."

Vielleicht kann der Umbau des Zuschauerraums oder eine neue Bestuhlung tatsächlich eine Lösung auch für andere Theater sein. Dass die Stuhlreihen mehr oder minder mühelos entfernbar sind, beweist nämlich auch die Wiener Staatsoper mindestens einmal pro Jahr, nämlich beim Opernball. (apa/red)