Die Wiener Bühnen, Kinos und Konzerthäuser waren die Ersten, die am Beginn der coronabedingten Maßnahmen geschlossen wurden, und sie werden vermutlich die Letzten sein, die wieder aufsperren dürfen. Die Bedingungen für eine Öffnung des Kulturlebens beschäftigen derzeit Virologen, Theatermacher, Kulturpolitiker und Kunstliebhaber gleichermaßen.

Ab 29. Mai treten bekanntlich erste Lockerungsmaßnahmen im Kulturbereich in Kraft, im Bund arbeitet man derzeit unter Hochdruck an einer diesbezüglichen für 25. Mai angekündigten Verordnung. Die Stadt Wien ist nun mit einem "Wiener Leitfaden für den Kulturbetrieb" vorgeprescht. Das Papier wird nun an den Bund übermittelt, idealerweise fließen die Ergebnisse in entsprechende Verordnungen und Erlässe ein.

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter hat mit einem sechsköpfigen Virologen-Team federführend das 14-seitige Kompendium verfasst, in dem es um praktische Maßnahmen und konkrete Handlungsanweisungen für Museen, Kinos, Theater- und Konzerthäusern geht. Der Experte bremst den Enthusiasmus gleich zu Beginn der Präsentation: "Eines ist medizinisch leider nicht möglich: Planungssicherheit zu geben", so Hans-Peter Hutter, "es ist unmöglich, derzeit zu sagen, wie die medizinische Situation in drei oder vier Monaten aussehen wird."

Keine 100-prozentige Sicherheit

"Eine 100-prozentige Sicherheit vor einer Ansteckung hat es nie gegeben und kann es gar nicht geben", sagt der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker bei der Pressekonferenz im Festsaal des Rathauses. Das Ziel könne nur Risikominimierung und Schadensbegrenzung sein. "Es geht uns um maximalen Freiraum innerhalb der Regeln, die wir anerkennen", bekräftigt auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Die Vorschläge sind im Austausch mit Wiener Kulturschaffenden entstanden, Vertreter aus Kultur, Medizin und Politik haben sich zwei Mal bei mehrstündigen Konferenzen getroffen.

Im Prinzip gelten im "Wiener Leitfaden für den Kulturbetrieb" die hinlänglich bekannten drei Grundregeln im Umgang mit der Pandemie: Hände waschen, Masken tragen, Abstand halten. Für die Besucher sieht das Regelwerk demnach eine generelle Maskenpflicht vor, vom Eintritt bis zum Verlassen der Veranstaltung, also auch während der Vorstellung.

Limitierung des Publikums

Der zuletzt viel diskutierte Ein-Meter-Abstand bleibt freilich auch in den "Wiener Richtlinien" erhalten. Die zentrale Botschaft lautet nach wie vor: Limitierung des Publikums. In Museen lassen sich diese Grundbestimmungen vergleichsweise leicht umsetzen, für Theater, Kinos und Konzertsäle bedeutet das allerdings eine drastische Reduktion der Sitzplätze. Geht man von einer schachbrettartigen Sitzordnung aus, müsste jeder zweite Platz frei bleiben. Stehplätze sind gar nicht erst vorgesehen. Vor allem für gut besuchte Bühnen ein finanzielles Desaster.

Weiters soll auf Pausen verzichtet werden, um Gedränge beim Ein- und Ausgang zu vermeiden, sollten gestaffelte Zu- sowie mehrere Ausgänge überlegt werden, auch von einer "freiwilligen Personalisierung der Eintrittskarten" ist die Rede, um im Falle einer Ansteckung die Personen umgehend zu kontaktieren. "Es ist uns bewusst, dass die Maßnahmen einen hohen organisatorischen und technischen Aufwand erfordern", so Hacker, der die Richtlinien vor allem als Handreichung versteht, die da und dort adaptiert werden können.

Um die ungewisse Zukunft für die Kulturschaffenden etwas abzufedern, hofft Veronica Kaup-Hasler, dass es der neuen Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer gelingen wird, im Bund die nötigen Mittel aufzubringen, um die Kulturlandschaft substanziell zu unterstützen. Als Vorbild nennt die Kulturstadträtin die Schweiz: Kulturbetrieben werden dort entgangene Einnahmen nicht nur während der Zwangspause, sondern auch darüber hinaus abgegolten. Bürgermeister Michael Ludwig formuliert abschließend eine deutliche Forderung an den Bund: "Wir müssen einen Rettungsschirm aufspannen, um die Kulturinstitutionen zu retten."