Bis 30. Juni ist Dominique Meyer noch Direktor der Wiener Staatsoper, seit März zudem Intendant der Mailänder Scala – eine Doppelrolle, die sich in Covid-Zeiten freilich anders darstellt als geplant. Für die italienischen Theater rechnet Meyer mit schwierigen Zeiten wegen sinkender Einnahmen. Außerdem würden die Häuser ihre Mitarbeiter ab 2021 nicht mehr auf Kurzarbeit schicken können. "Ein Drittel der Zuschauer der Scala kommt aus dem Ausland. Sicher werden ausländische Zuschauer nicht so schnell wieder zurückkehren", prophezeite Meyer bei einer Videokonferenz.

"Stützungsmaßnahmen haben uns bisher geholfen, den Scala-Mitarbeitern unter die Armen zu greifen. Man darf jedoch auch nicht Dirigenten und Solisten vergessen, die ohne Hilfe geblieben sind. Viele von ihnen verdienen weniger als ein Fußballer der zweiten Liga", sagte Meyer. Laut ihm sollten einige Plätze an der Scala billiger sein, um auch einkommensschwachen Personen zu ermöglichen, Aufführungen zu sehen. "An der Wiener Staatsoper gibt es 580 Stehplätze, die für drei oder vier Euro verkauft werden. Dies erlaubt Opernliebhabern, öfters ins Theater zu kommen und dieselbe Oper zu sehen. Leider sind Stehplätze an der Scala aus Sicherheitsgründen nach der Restaurierung Anfang 2000 abgeschafft worden. Ich wäre glücklich, wenn auch die Scala über ein solches System verfügen würde", erklärte Meyer.

Der Intendant fiebert dem Neustart der Scala im September entgegen, was mit strengsten Sicherheitsvorkehrungen erfolgen wird. Ab 15. Juni dürfen Theater in Italien mit lediglich 200 Zuschauern öffnen. Bei Freilicht-Konzerten sind 1000 Zuschauer zugelassen.Die Scala plant im September ein Konzert im Mailänder Dom unter dem Dirigat von Scala-Musikdirektor Riccardo Chailly. Geplant ist Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" zu Ehren der Coronavirus-Toten. Danach wird in der Scala Beethovens Neunte Symphonie aufgeführt. "Dieses Konzert gilt als Botschaft von Hoffnung, Freundschaft und Wärme", sagte Meyer.

Rückkehr von Riccardo Muti erhofft

Der Franzose hofft, eine neapolitanische Oper zu inszenieren. Zugleich wünscht er sich, dass Riccardo Muti wieder ein Bühnenwerk an der Scala dirigiert. Auch eine Händel-Oper will Meyer zeigen. Im Juni wird der Intendant jene Oper ankündigen, mit der die Scala am 7. Dezember die neue Saison eröffnen wird. Spekuliert wird, dass es sich um Gaetano Donizettis "Lucia di Lammermoor" mit Lisette Oropesa und Juan Diego Flórez in den Hauptrollen handelt. (apa, red)