Bis große Oper nach der Corona-Krise wieder auf der Bühne zurückkommt, wird es nach Einschätzung der gefeierten Dirigentin Joana Mallwitz noch dauern. "Oper ist das absolute Gegenteil von Social Distancing. Oper funktioniert, weil alles zusammenkommt: Das Orchester im Graben, Chöre, Sänger, Bühnenbild, Kostüme, Maske, Licht - und nicht zuletzt das Publikum", sagte Mallwitz der dpa.

"Große Oper wird erst wieder möglich sein, wenn man sich nahe kommen darf." Die Nürnberger Generalmusikdirektorin arbeitet deshalb an Alternativen. "Das Repertoire, das sonst am Staatstheater gespielt wird - die großen Mahler-Sinfonien und die großen Opern von Puccini, Wagner oder Strauss - wird nicht möglich sein", sagte sie. "Im Moment gibt es eine Explosion der Kreativität, um mit kleinen Formaten der Lust an Musik und Kultur gerecht zu werden. Wir müssen auch beim Repertoire in Gebieten recherchieren, in denen wir sonst nicht so viel unterwegs sind. Das ist und wird sicherlich auch weiterhin spannend, und vielleicht wird man das ein oder andere später in die Normalität übernehmen können." Das Ziel bleibe aber, wieder mit voller Stärke und Besetzung spielen zu können.

Wie viele andere Künstlerinnen und Künstler hat auch Mallwitz in der Corona-Krise mit digitalen Formaten experimentiert - um ihrem Publikum zumindest etwas bieten zu können. Eine dauerhafte Lösung sieht darin aber nicht: Das könne nie der Ersatz für ein Live-Erlebnis sein, sagte sie.

Die 33-Jährige wird von der Kritik gefeiert und ist auch europaweit als Dirigentin gefragt. Im August sollte sie eigentlich Mozarts "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen musikalisch leiten. "Für mich sind alle künstlerischen Dinge, natürlich auch die Gastengagements, abgesagt. Im Moment bin ich mehr Managerin als Künstlerin", sagte Mallwitz.(apa/dpa)