Vor 22 Jahren gründete der Musicaldarsteller Norberto Bertassi das Musiktheaterprojekt "teatro" (www.teatro.at), mit dem er nun seine zehnte Saison in Mödling feiert. Dort ist man heuer für die Produktion "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" Corona-bedingt vom Stadttheater in die größere Europahalle ausgewichen. Ein Spielort, an dem nicht nur die Babyelefanten genügend Platz zum Sitzen haben, sondern der irgendwie auch vom Raumklima her ganz gut passt.

Denn gespielt wird in einer Mehrzweckturnhalle, Schulflair also (das man aber bald nicht mehr wahrnimmt ob des Gewusels auf der Bühne), und ein guter Teil der zwei Dutzend Darsteller auf der Bühne besucht ja selbst noch die Schule. Genau genommen sind nur zwei Ensemblemitglieder (Intendant Bertassi und Wodka-Darsteller Alexander Hoffelner) älter als 25 Jahre und etliche noch gar nicht volljährig (haben allerdings teils schon viele Jahre Erfahrung als Schauspieler), darunter auch Lorenz Pojer, dessen Tom Sawyer sich voller Inbrunst gegen das Erwachsenwerden wehrt, mit viel Witz und Charme alle um den Finger wickelt und sich vor Strafarbeiten drückt. Ahja, und auch wenn er Küssen blöd findet, ist er ein echter Frauenschwarm, der jugendliche Verlobte sammelt. Insofern ist die Besetzung mit einem blonden Schönling, der Pojer optisch ist, ideal.

Zwei Dutzend junge Darsteller zeigen ihr Können. - © Halmen Helmut Rasinger
Zwei Dutzend junge Darsteller zeigen ihr Können. - © Halmen Helmut Rasinger

Ein junger, wilder Haufen

Seine Leistung explizit herauszustreichen, wäre aber eigentlich unfair, nicht nur gegenüber seinem kongenialen Co-Hauptdarsteller Moritz Mausser (Huckleberry Finn), sondern dem gesamten Ensemble, das eine großartige Leistung zeigt, sowohl gesangstechnisch als auch tänzerisch (begleitet von einem Dutzend Live-Musiker). Viele entstammen einer der drei "teatro"-Talenteschmieden in Wien (VHS Meidling und VHS Brigittenau) und Mödling, wo auch Wochenend-Workshops ab 3 Jahren abgehalten werden (www.musicalworkshop.eu).

Die jungen Darsteller auf der Mödlinger Bühne strahlen authentische Spielfreude aus, während sie zweieinhalb Stunden lang Vollgas geben. Die halbstündige Pause dazwischen brauchen sie wahrscheinlich mehr als das Publikum.

Für Kinder, aber nicht nur

Aber so jung und wild der Haufen auch ist, so ernst ist ein Teil der Geschichte, die sich bekanntlich auch um Rassismus und Integration dreht. So versuchen, während Tom, Huck und ihre Clique einer mörderischen Gangsterbande in die Quere kommen, drei Sklaven aus ihrem rechtlosen Dasein zu fliehen. Es geht aber auch um Verantwortung, füreinander einzustehen, Schuld und Unschuld. Und dann ist das ganze Stück plötzlich sehr heutig und aktuell. Breiten Raum nimmt auch die Beziehung zwischen dem mehr oder weniger obdachlosen Huckleberry und seiner alkoholkranken Mutter ein. Insofern ist es ein echtes Lehrstück, ganz zugeschnitten auf das Zielpublikum. Wobei die Altersangabe "ab 5 Jahren" vielleicht doch ein wenig tief gegriffen ist, denn ein paar Szenen erschließen sich größeren Zusehern vielleicht doch besser.

Es ist aber kein reines Kinderstück, dafür sorgt Bertassi mit verschiedenen Einlagen, die sich eindeutig an die erwachsenen Begleitpersonen richten. Er und sein Team sorgen also für beste Unterhaltung, aber auch für den einen oder anderen nachdenklichen Moment.