Wer Political Correctness für die höchste Tugend hält, wird an Dieter Nuhr keinen Gefallen finden. Umgekehrt übrigens auch nicht. Wenn Nuhr eines nicht mag, dann Diskussionsverbote, falsch verstandene Toleranz und weichgespülten Mainstream. Gleich zu Beginn seines Programms "Kein Scherz!" nimmt der deutsche Kabarettist die Debatte rund um Corona aufs Korn, prangert die - aus seiner Sicht - teilweise übertriebene Furcht der Politiker an und unterzieht Statistiken einem entlarvenden Reality-Check. Dabei geht es ihm nicht darum, die Krise kleinzureden, sondern die grassierende Hörigkeit der Menschen zu durchbrechen und dem Hausverstand wieder mehr Raum zu geben. Nuhr verknüpft humorvoll die aktuelle Situation mit alten Verschwörungstheorien, zieht Parallelen zwischen veganen Köchen und dem Faschismus, zitiert aus dem Glücksatlas der Deutschen Post und liefert einen Beweis, warum Angela Merkel keine reptilienähnliche Außerirdische ist.

Stachel im Fleisch der politisch Korrekten: Dieter Nuhr. - © Nuhr
Stachel im Fleisch der politisch Korrekten: Dieter Nuhr. - © Nuhr

Der Deutsche bietet in "Kein Scherz!" keine Schenkelklopfer, sondern feinen Humor, der zum Nachdenken ebenso anregt wie zum Lachen. Und er weiß, was sein Publikum hören will. Er ist der Versteher der Generation 50+, die mit Influencern ebenso wenig anfangen kann wie mit Gender-Sternchen oder Rapper-Slang. Oftmals aus den Zuschauerreihen zu hören: "Ja, da hat er recht."

Den zweiten Teil des Programms legt Nuhr anekdotischer an. Da reihen sich Peniswitze (mit Niveau) an Erlebnisse aus dem Kreißsaal und an Begegnungen mit Jugendlichen, für die Dinosaurier und Leute über 50 identisch sind. Er zieht einen Panikbogen vom sauren Regen über das Ozonloch bis zum Klimawandel und fragt sich, wann die Weltuntergangspropheten denn endlich recht behalten werden. Und wenn das zu lange dauert, dann bitte rasch die Natur abschaffen. Denn die Welt ist erst human, wenn Löwin und Antilope beim Lagerfeuer Lieder singen, so Nuhr.