Das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele, es hätte ein Fest mit Pomp und Glorie werden sollen, ein Premieren-Feuerwerk und Society-Ereignis. Doch die Pandemie hat die Welt im Würgegriff. Was blieb, ist ein Jubiläumsspielplan in Schmalspurvariante.

Nur an einem einzigen Ort konnte das Jubiläum uneingeschränkt abgefeiert werden: Im Landesmuseum Salzburg in der Neuen Residenz, einen Steinwurf vom Domplatz entfernt, findet die Ausstellung "Großes Welttheater, 100 Jahre Salzburger Festspiele" ganz wie geplant statt.

Theaterausstellungen haben es an sich nicht leicht. Was will man schon zeigen? Die ewige Abfolge von Szenenfotos und Bühnenbildentwürfen, von Regiebüchern und handschriftlichen Notizen, die kein Ausstellungsbesucher entziffern kann, von Bühnenbildmodellen und Kostümen, schließlich Videozusammenschnitte pointierter Bühnenmomente.

Think big

Das alles gibt es freilich in der Landesausstellung zu besichtigen, besonders gelungen ist etwa die Nachbildung der Felsenreitschule, in den Arkaden sind Kostüme ausgewählter Produktionen ausgestellt, nach wie vor sticht Achim Freyers fantastische Ausstattung der "Zauberflöte" aus 1997 hervor; auch die 100 Objekte aus dem Archiv sind sehenswert, darunter Anna Netrebkos Kostüm aus der legendären "La Traviata" (2005), die ihren Erfolg als Opernsängern begründete.

Aber damit nicht genug. In Salzburg, zum 100-Jahr-Jubiläum, sollte es schon etwas mehr sein. Die Festspiele und das Landesmuseum haben, federführend unter dem Kuratorenteam Margarethe Lasinger und Mathias Hochleitner, für die Ausstellung mit verschiedenen Institutionen zusammengearbeitet- neben dem Salzburger Literaturarchiv und dem Archiv der Salzburger Festspiele vor allem mit Wiener Einrichtungen wie dem Jüdischen Museum, dem Theatermuseum und den Philharmonikern, auch Künstler wie Werner Feiersinger, Lionel Favre, John Bock, Yinka Shonibare und Eva Schlegel haben für die Ausstellung raumfüllende Installationen entworfen.

Eine exemplarische Zusammenarbeit, in ihrer Megalomanie schon faszinierend. Think big ist die Devise. Auf rund 1900 Quadratmetern Ausstellungsfläche, im Keller, Erdgeschoß und ersten Stock der Neuen Residenz sowie in der Max Gandolph Bibliothek der Universität Salzburg wird mit vereinten Kräften die 100-jährige Geschichte der Festspiele vermessen.

Viel Aufwand mit zweifelhaftem Ertrag. Da die Kooperationspartner ihre jeweiligen Räume unabhängig voneinander gestaltet haben, ist der Gesamteindruck der Ausstellung uneinheitlich, es gibt kein gemeinsames Narrativ, vielmehr nur lose verbundene Assoziationen rund um das Jubiläum. Gleichwohl wird einiges geboten. Im Erdgeschoß zeigt eine ORF-Dokumentation Höhepunkte aus Inszenierungen made in Salzburg. Im ersten Stock stellen Salzburger Kulturpolitiker, Historiker und Künstler sich in einem Videobeitrag die Frage, was Salzburg ohne die Festspiele wäre und beleuchten, wie viel die Stadt den Festspielen zu verdanken hat. Ergänzt wird der Beitrag durch Modelle von nicht realisierten Salzburger Festspielhäusern. Der Künstler Werner Feiersinger hat diesen gelungen Ausstellungsraum gestaltet.

Weiter geht’s mit Dokumenten aus dem Theatermuseum, mittels Textfahnen und Hörstationen wird die verschlungene Gründungsgeschichte skizziert, von dort aus gelangt man in den Gedenkraum, den das Jüdische Museum verantwortet, hier wird anhand von Fotos und Plakaten an die Vertreibung der Juden in Salzburg während der NS-Zeit erinnert. Festspiel-Gründungsmitglied Max Reinhardt flüchtete bekanntlich 1937 in die USA und verstarb 1943 in der Emigration.

Unvermittelt gelangt man dann in einen historisch-holzvertäfelten Ausstellungsraum, die sogenannte Goldegger Stube aus 1606, und ist umgeben von Dirndl, Gamsbart und Fotos von Promis im Trachtenlook. Schließlich, wie ein Appendix, die Auseinandersetzung zeitgenössischer Künstler mit den Festspielen, am meisten beeindruckt hier Eva Schlegels Videoinstallation mit Zitaten aus Stücken von Elfriede Jelinek, Peter Handke und Thomas Bernhard, die allesamt bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurden. "Großes Weltheater" ist weniger kritische Chronik, sondern wirft Schlaglichter auf eine bewegte Geschichte.