Kaya Yanar, Peter Simonischek, Jonas Kaufmann, Maria Happel, Robert Meyer, Harald Schmidt, Thomas Stipsits, Andreas Vitásek – die Namen im aktuellen Programm des Theaters im Park am Belvedere  sind nicht nur künstlerisch breit gestreut, sondern teilweise auch groß. Was Michael Niavarani und sein Compagnon Georg Hoanzl in diesem einst privaten Garten an der Grenze zwischen 3. und 4. Bezirk im heurigen Sommer auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen.

"Manchen, die bei uns auftreten wollten, mussten wir leider absagen, weil wir einfach keinen Termin mehr frei hatten", erzählt Niavarani. Dabei wurde und wird seit Anfang Juli von Montag bis Sonntag durchgespielt, am Wochenende gibt es oft zwei Vorstellungen. "Diese Vollauslastung der Bühne ist notwendig, damit es sich wirtschaftlich ausgeht", erklärt Hoanzl. Bis Ende September kommen so im Theater im Park mehr als 100 Spieltage zusammen, für die bisher rund 80.000 Karten verkauft wurden. "Das entspricht in etwa dem, was die Salzburger Festspiele aufgelegt haben. Es ist sensationell, damit haben wir gar nicht gerechnet." Die Auslastung beträgt mehr als 98 Prozent, im Juli saßen in jeder Vorstellung 500 Besucher, seit 1. August sind es 1.250.

Und nun hat das aus der Corona-Not heraus entstandene Sommertheater den nächsten wichtige wirtschaftlichen Schritt geschafft. Nach mit drei bis vier Wochen verhältnismäßig kurzen Verhandlungen hat sich ein Big Spender gemeldet: Die Erste Bank wurde am Donnerstag offiziell als Sponsor vorgestellt. "Wir haben nicht angefragt, sondern Peter Bosek war bei uns in der Vorstellung und hat mich nachher gefragt: Braucht’s ihr kein Geld?", erzählt Niavarani lachend.

"Als Location noch nicht abgespielt"

Der Vorstandsvorsitzende der Erste Bank bekennt auch gleich offen, was für ein großer Niavarani-Fans er ist. Er findet aber nicht nur den Künstler und sein Werk "sensationell", sondern ist vor allem vom Theater im Park an sich begeistert, "das kurzfristig aus dem Boden gestampft wurde, in einem ganz schwierigen Umfeld für den Kulturbereich, wo sich ganz wenige Menschen hinaus trauen". Noch dazu liegt die neue Freiluftbühne "in einem wunderschönen Park, der für die Menschen neu ist, weil er bis dahin privat war, das heißt, er ist als Location noch nicht abgespielt".

Zur Erste Bank passt das Ganze auch deshalb, weil Hoanzl und Niavarani "in einer sehr schwierigen Phase wirkliches Unternehmertum bewiesen haben", sagt Bosek und verweist auf das aus der Werbung bekannte Narrativ "#glaubandich" seiner Bank. "Das ist ein perfekter Fit. Wir sind wirklich stolz und glücklich, hier dabei sein zu dürfen." Neben gebrandeten Ablagetischen zwischen den Sitzen wird es im Rahmen des Sponsorings auch ermäßigte Tickets für Erste-Kunden geben. Allzu viele werden es vorerst allerdings nicht sehen, "weil die Veranstaltungen hier ja schon erfreulich ausverkauft sind", sagt Bosek. "Nächstes Jahr können wir das dann strukturierter angehen. Das war jetzt alles sehr kurzfristig. Aber die besten Dinge passieren so."

Nur eine einzige Vorstellung wegen Unwetter abgebrochen

Wie ausgehungert das Publikum nach dem kulturellen Lockdown war und ist, zeigt sich bei Schlechtwetter. "Wir spielen auch im Regen", sagt Hoanzl, "und die Leute sitzen mit Regenschutz da." Er beobachtet dabei ebenso wie Niavarani eine gewisse Trotzhaltung: "Wir bleiben da und schauen uns das jetzt an, egal wie sehr es regnet." Das lässt selbst Stars wie Maria Happel oder Jonas Kaufmann nicht unberührt. "Die Szenerie hier, die Nähe zum Publikum nach so langer Zwangspause, die tosenden Auftritts- und Schlussapplause – das sorgt für Gänsehaut", meint Hoanzl. Bis jetzt wurde keine einzige Vorstellung abgesagt, "und wir mussten nur eine nach 45 Minuten abbrechen", erzählt Niavarani. "Die haben wir dann nachgeholt beziehungsweise den Leuten angeboten, dass sie ihr Geld zurückbekommen. 99 Prozent haben den Ersatztermin gewählt."

Nur bei einer Sturm- oder einer Gewitterwarnung müsste der Park geräumt werden, "da darf man nicht mit der Sicherheit spielen", betont Hoanzl. Regen ist jedenfalls kein Thema, "weil wir hier das große und seltene Glück haben, dass dieser Park nie durch schwere Maschinen verdichtet wurde, der Boden kann also sehr viel Wasser aufnehmen".

Auch im schlimmsten Fall keine Insolvenz

Haben die beiden Chefs mit einem solchen Erfolg gerechnet? "Wir haben schon gehofft, dass viele Leute kommen, aber wir waren zu Beginn unsicher, ob wir genug Karten verkaufen würden", berichtet Hoanzl. "Wenn es so weiterläuft und nicht neue behördliche Vorgaben die Besucherzahl wieder reduzieren, dann haben wir es ohne Subventionen, ohne irgendwelche Wirtschaftsprogramme geschafft."

Michael Niavarani und Georg Hoanzl mit Peter Bosek. Das Narrativ "#glaubandich" passt laut dem Chef der Erste Bank perfekt zum Theater im Park. - © Daniel Hinterramskogler
Michael Niavarani und Georg Hoanzl mit Peter Bosek. Das Narrativ "#glaubandich" passt laut dem Chef der Erste Bank perfekt zum Theater im Park. - © Daniel Hinterramskogler

Sollte es sich wider Erwarten doch nicht ausgehen, dann würde das nicht zu Lasten der Mitarbeiter gehen, betont Hoanzl, der gemeinsam mit seinem gleichberechtigten Partner Niavarani eine Forderung ihrer beiden Geschäftsführer Bojan Djukic-Schaner und Benedict Steininger erfüllt hat: "Für den Fall, dass wir mit diesem Projekt baden gehen sollten, mussten Nia und ich versprechen, dass wir uns nicht drücken und in Konkurs gehen, sondern in den nächsten Jahren die Kosten wieder abarbeiten. Wir haften also dafür."

Sorgen um die Zukunft macht sich Niavarani aber eigentlich keine. Zumindest nicht mehr als sonst: "Man ist beim Theater immer kurz vor dem Konkurs. Weil man nie weiß, ob das, was man macht, dann so erfolgreich wird, ob die Leute das wirklich mögen. Man stellt sich jeden zweiten Tag die Frage, ob man nicht damit aufhören und was anderes machen sollte. Und man stellt sich jeden fünften Tag die Frage, ob sich das alles ausgeht." Denn eines Tages könnte einem nichts mehr einfallen. "Wobei: Wenn man dann nichts mehr schreibt, ist es eh gut. Das Schlimme ist ja, wenn einem nichts mehr einfällt und man das dann schreibt."

Sommer 2021 ist fix, aber noch keine Pläne für Herbst 2020

Wie wird es nach dem September weitergehen? Die Freiluftsaison muss ja irgendwann temperaturbedingt enden. "Wir planen noch gar nichts", sagt Niavarani. Erst müsse man abwarten, was die Corona-Zahlen sagen, welche Maßnahmen die Regierung treffen wird. Das Globe wird jedenfalls auf die Indoor-Saison vorbereitet, mit 1,8 Meter Abstand zwischen den Sitzplätzen, was eine Belegung von 500 statt der üblichen 1.500 Plätze bedeutet, also ein Drittel. "Da müssen wir mit unseren Finanzmenschen ausrechnen, wie und wann sich das auszahlt." Ins Simpl passen mit diesen Sicherheitsvorkehrungen nur 120 statt 360 Personen hinein. Zumindest die Simpl-Revue mit Ensemble wäre unter diesen Bedingungen unrentabel. Hier wird überlegt, wo diese sonst stattfinden kann, beziehungsweise kann sich Niavarani im Simpl zum Beispiel Lesungen oder Präsentationen neuer Stücke vorstellen. Das Simpl hat 21 Angestellte, die nun teils in Kurzarbeit, teils arbeitslos und teils im Theater im Park beschäftigt sind. Für alle ist es sich leider nicht ausgegangen, da man sich ja auch um die Globe-Belegschaft kümmern musste.

Eines ist jetzt schon fix: "Es wird nächsten Sommer definitiv wieder ein Theater im Park geben", verspricht Niavarani. Dementsprechend wurde der Sponsoring-Vertrag mit der Erste Bank auf zweieinhalb Jahre abgeschlossen. Für die Programmierung hat er dann 2021 mehr Vorlaufzeit. Eigentlich wollte er ja im Globe wieder Shakespeare inszenieren. Wer weiß, vielleicht wird das dann ja die nächste Sommerproduktion.

Jetzt muss sich Niavarani aber erst einmal um sein Freilufttheater kümmern, in dem er auch selbst öfters auftritt. Zum Beispiel kommenden Sonntag bei einer Matinee mit dem Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer. "Ich werde die Herren Musiker interviewen", sagt Niavarani, dessen Großvater einst Erster Geiger bei den Wiener Philharmonikern war. Es ist zu vermuten, dass dann auch der Erste-Chef im Publikum sitzen wird. Denn auf die Frage, welchen Künstler er am liebsten auf der Bühne des Theaters im Park sehen würde, kommt ohne zu zögern die klare Antwort: "Michael Niavarani. Dem kann ich stundenlang zuhören." Freilich liegt nun auch die Frage nahe, ob es demnächst einen Werbespot für die Erste Bank mit Niavarani geben könnte. "Darüber haben wir noch gar nicht geredet", sagt Bosek, der hinzufügt: "Ich würde einmal unterstellen, dass er nicht käuflich ist. Davon gehe ich eigentlich aus." Der Bankchef ist aber jetzt schon "superhappy" über die neue Partnerschaft.