Mit einem Grüppchen das Weltende kommentierender Strohwesen gastiert Philippe Quesne zum vierten Mal bei den Wiener Festwochen. Bereits mit Arbeiten wie "La Mélancolie des Dragons", "L’Effet de Serge" oder "Swamp Club" hat sich der Erfinder radikalpoetischer Theaterstillleben zwischen hyperrealistischen und bizarren Bildtextwelten an die Spitze des europäischen Gegenwartstheaters inszeniert.

In "Farm fatale" sind es nun also Vogelscheuchen, die der Mensch in der zerstörungswütigen Zeit des Anthropozäns geschaffen hat, um andere Wesen zu erschrecken und zu vertreiben, die geblieben sind und das in schlichtem Weiß ausgelegte Gehege des französischen Künstlers in naiver Liebenswürdigkeit bevölkern. Weder gibt es mehr Tiere noch Geräusche einer Welt der Natur. Still ist es geworden auf der Erde, in der Glyphosat und Artgenossen ihr dystopisches Werk bald vollendet haben. Doch die vier verbleibenden "Scarecrows" ("Schreckkrähen"), zu denen sich bald schon eine fünfte gesellt, haben ein Ziel: Mit Tonaufnahmen einstigen Lebens, wöchentlichen Radiosendungen, in denen sie Interviews mit genetisch modifizierten Karotten und allerletzten überlebenden Bienen ebenso anbieten wie ihre eigenen pophistorisch angehauchten Revolutionssongversionen, und ihrer kleinen, bunt beeiten Brutstation wird an einer neuen Zukunft nach dem Menschen gearbeitet.

"Carecrows" sind sie geworden, "Kümmerer" aus Heu, in Philipp Quesnes radikalpoetischer Sichtweise auf eine Welt, der es wohl ohne humane Bewohner besser ergangen wäre.