Der kleinste gemeinsame Nenner von Metal und Klassik ist größer als der vieler anderer U-Musiken und der E-Musik - aber immer noch verdammt klein. "Oozing Earth" wäre eine peinliche Veranstaltung geworden, hätte Bernhard Gander versucht, genau die Schnittmenge zu treffen (Metallica / San Francisco Symphony sei als abschreckendes Fremdschämbeispiel genannt). Das hat Gander lobenswerterweise nicht getan und legte sich auf ein Genre als dominant fest. So weit die gute Nachricht von "Oozing Earth", aufgeführt als Teil der bewusst konzept- und profilbefreiten Wiener Festwochen.

Die schlechte: Der Trash Metal hatte das musikalische Heft in der Hand. Eine Krach-, Kratz-, und Quietschorgie sondergleichen wurde geboten, mit elektronisch entstellter Lautmalerei vom maskierten, ominös gestikulierenden Attila Csihar und hie und da eingestreuten, brillanten, martialischen Schlagzeugsalven von Extreme-Metal-Drummer Kevin Paradis. Der klassische Beitrag zum Konzert war, dass das Publikum gehemmt auf dem Hintern saß und nach einer guten Stunde höflich-befremdet applaudierte.

Trommelfellstrapazen

Dass dem Ganzen Weltverbesserungsfantasien und ökoapokalyptische Offenbarungen unterlagen, war Makulatur; die Referenz im Programmbuch zu Gustav Mahler ("Ein Lied für die Erde") ungewollt komisch. Zwischendurch brachen nette Rhythmen zum Mitfußeln durch; dazu ein Trommelfellstrapazierendes Curry von Rauschklang (alles durchmischt, opak) und seltenst ein Hauch von Transparenz. Hie und da tutete es, als kämpfe eine Jugendblaskapelle ums nackte Überleben. Tatsächlich waren es aber die Musiker vom Ensemble Modern (E-Streicher, Bläser, geballtes Schlagwerk). Geniale Alleskönner, aber nun einmal keine Alchemisten. Vorne stand ein flotter Dirigent - eher als visuelle Darstellung des Klicktracks denn aus musikalischer Notwendigkeit.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, jeder Musik ihre Nische und Bernhard Gander und Trash Metal gerne die ihre: Sie ist vermutlich nicht kleiner oder größer als die von New Complexity oder Musique concrète. Und doch in ihrer gewollt anti-ästhetischen Brutalität und Unsinnlichkeit für die Mehrheit nur grausam und Zeitverschwendung.

Es bleibt festzustellen: Drone Metal mit Sitzkissen und fett subventioniert ist eine grandiose Fehlverortung dieser Musik. Ein Fuchs mit Beißhemmung im Hühnerhaus.